STAUB – Teil 1: Das misslungene Theaterstück

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Das kommt dabei heraus, wenn man zu wenig Zeit für das Proben aufwendet. Sie konnten ihren Text nicht, patzten und ihr Schauspiel war grausam. Es sollte eine Komödie werden und wurde zu einer Farce. Verdammt. Für heute Abend haben sechs Presseleute Plätze reserviert. Durch die Dunkelheit konnte ich ihre Mimen zwar nur erahnen, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, wie ihre Kritiken ausfallen werden.
Das letzte Drittel des Stücks lief. Ich hatte genug gesehen. Ich entfernte mich aus dem Off, nahm keine Rücksicht darauf meine Schritte zu dämpfen. Mein Jackett hing über einem Stuhl hinter der Bühne im Magazin. Ich nahm auch die Flasche Scotch mit, die René eigentlich für sich gebunkert hatte – verdammter Säufer – aber ich kannte sein Versteck und mir war es Scheiß egal. Ich watete durch das dunkle Magazin, zündete mit eine Zigarette an und als ich draußen im Hof stand und der Regen auf mich und den dunklen Asphalt niederprasselte, nahm ich einen tiefen Schluck. Mann, tat das gut. Eine wunderbare Art, sich zu betäuben. Es war vorbei.
Ich ging die enge Gasse hinunter. Mein Auto stand nicht weit weg. Ich wollte fahren. Es war mir egal. Ich trank weiter und nahm mein Handy aus der Brusttasche. Ich weiß nicht mehr, ob es der Scotch, oder meine „ich habe nichts mehr zu verlieren“ Stimmung war, die mich dazu brachte Sid anzurufen. Er nahm sofort ab.
„Hi Sid.“, sagt ich.
„Hallo Marc. Wie ist es gelaufen?“, fragte er.
„Beschissen.“, sagte ich.
Schweigen. Ich nahm einen Zug von der Zigarette und wartete.
„Willst du es jetzt machen?“, fragte er.
Ich wartete wieder und nahm einen weiteren Schluck Scotch. Mittlerweile hatte mich der Regen komplett durchnässt. Ich überlegte. Es war keine Stimmung, kein akuter Gemütszustand, keine scheiß Laune und keine miese Woche. Es war ein permanenter Zustand. Ein stetiger Abfall. Und als Abfall sah ich mich auch mittlerweile selbst. Ein stinkender Haufen Abfall. Also, was hatte ich zu verlieren? Nichts.
„Ich bin dabei. Lass es und durchziehen.“, sagte ich und legte auf.
Ich öffnete die Fahrertür meines alten Ford, stieg ein und fuhr los. Die Flasche hielt ich griffbereit in meinem Schoß. Als ich bei Sid ankam, hatte ich sie geleert.

STAUB als Hörbuch | YouTube

 

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