Teil 7: Augen

burning-eyes

Sid stützte den benommenen Jonas, ich stützte die benommene Emma. Die Kids waren völlig weggetreten.

„Marc, wir müssen hier raus! So schnell, wie möglich!“, sagte Sid, während wir den Korridor zurück zur großen Halle liefen.

Das Trippeln folgte uns und wurde lauter. Wir liefen so schnell wir konnten und versuchten Jonas und Emma immer wieder wach zu rütteln, aber sie waren wie traumatisiert. Der Schock saß zu tief. Ich leuchtete immer wieder nach hinten, um endlich zu sehen, was uns da überhaupt jagte, aber da war nichts. Nur Dunkelheit; vor uns und hinter uns. Und diese endlosen Korridore. Wir konnten unmöglich so viele Abzweigungen genommen haben. Und keine Türen. Nur diese handbreiten, vergitterten Fenster, die außerhalb unserer Reichweite lagen. Also mussten wir zurück. Zurück zu der Luke, aus der wir herausgekommen waren.

„Ich will nach Hause, nach Hause; will zu Mama; bitte, bitte, nach Hause…“, murmelte Emma unentwegt vor sich hin.

„Ich bringe dich nach Hause. Wir verschwinden hier und dann bist du ganz schnell wieder zu Hause. Alles wird gut. Hörst du? Alles wird gut.“, versuchte ich sie immer wieder zu beruhigen.

Dieses Klicken und Klacken. Ich war mir sicher, dass ich auch wieder dieses kratzende Geräusch hörte, dass jetzt zunehmend dominanter wurde und sich in den Vordergrund drängelte.

Vor uns war die nächste Abbiegung in diesen muffigen, staubigen, dreckigen und zugestellten Korridoren. Zwischendurch passierten wir tatsächlich hin und wieder eine Tür. Aber diese waren aus festem Stahl; regelrechte Panzertüren. Sid rüttelte verzweifelt an einer, ließ aber schnell wieder von ihr ab, als er merkte, dass er absolut gar nichts ausrichten konnte.

„Sid, was ist das?“, fragte ich ihn.

Ich leuchtete zum Ende des Korridors, als Sid seinen missglückten Versuch unternahm, die Tür zu öffnen.

„Siehst du, dort hinten? Da funkelt etwas. Dort, auf Bodenhöhe. Weiß und Rot. Was zum Geier ist das?!“, sagte ich während ich langsam einige Schritte in die Richtung des seltsamen Funkelns machte. Ich versuchte Emma für einen Augenblick in Sids Obhut zu übergeben, aber sie ließ es nicht zu und klammerte sich an mir fest.

„Schon gut, ich gehe nicht weg.“, sagte ich und mir fiel plötzlich auf, dass sich wieder diese Stille ausbreitete, bis sie alles verschlungen hatte und wir nur noch unser schnelles Atmen hören konnten.

„Marc, auf der anderen Seite ist auch dieses leuchtende Zeug.“, sagte Sid und leuchtete in die andere Richtung des Korridors.

„Augen …“, flüsterte Jonas auf einmal.

„Was?“, fragte ich ihn verwirrt.

„Es sind AUGEN!“, schrie er.

Ich drehte mich um, denn auf einmal durchbrach das Getrappel und Kratzen wieder die Stille. Emma schrie und krallte ihre Finger fest in meinen Arm. Es schmerzt, aber das interessierte mich gerade gar nicht. Die Realität zerbrach einmal mehr. Die Puppenkadaver, die wir in der großen Maschinenhalle zurückließen kamen auf uns zu gerannt, gekrochen und gehumpelt. Jedes dieser abscheulichen Wesen trug einen spitzen, metallischen Gegenstand in seinen Händen. Messer, Scheren, Nägel; teilweise bestanden ihre Hände aus diesen Sachen und glichen Klauen. Und aus ihren ehemals leeren Augenhöhlen flackerte jetzt ein gleißendes Feuer, in dem sich eine schwarze Iris abzeichnete. Sie waren nur noch wenige Schritte von uns entfernt. Ich konnte nicht fassen, was ich dort sah.

„Verdammte Puppenzombies?!“, schrie ich lauthals und trat eines dieser Dinge gegen die Wand, als es versuchte mir mit einem höhnischem Grinsen einen rostigen Nagel in den Fuß zu rammen.

„Steht nicht wie angegossen dort herum!“, schrie ich die anderen an.

„Treten diese Dinger weg und dann nichts wie raus hier!“

STAUB: Teil 7 – Audio (YouTube)

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