Teil 11: Aus dem Staub gemacht

burnig fabric hall

Zwei Jahre sind vergangen. Sid und ich hatten überlebt. Und wir kamen nicht in den Knast. Die Explosion hatte die ganze Fabrik zum Einsturz gebracht. Sid hatte mich wieder wachgerüttelt, als ich durch den Schlag gegen meinen Kopf kurz weggetreten war. Der Schacht glich einer Sauna. Heizrohre waren geplatzt. Sid stützte mich und wir wateten durch den heißen Dampf zurück, bis wir wieder unter der Bank waren. Das Gebäude wurde wegen der Explosion geräumt. Die Polizei war dort gewesen, aber durch das Chaos, das die Explosion verursacht hatte, konnten Sid und ich uns unauffällig aus dem Staub machen.

Auf 15 Millionen Euro konnte man sich nicht ewig ausruhen. Es wäre ja auch zu langweilig. Sid und ich machten lange Urlaub. Wir mussten diesen ganzen Scheiß erste einmal irgendwie verarbeiten. Wir konnten noch nicht einmal zu einem Therapeuten gehen. Wer würde uns auch nur ansatzweise glauben, was dort passiert ist? Wir verkauften unsere Wohnungen, kauften uns ein Haus in einer ruhigen Gegend, ließen es nach unseren Wünschen einrichten und machten in der Zeit Urlaub auf Hawaii. Sid ist ein riesen Elvis Fan und fand Blue Hawaii großartig. Er träumte schon immer davon singend mit einer Ukulele am Strand entlang zu marschieren, zu singen und viel zu trinken und Kerle abzuschleppen. Das taten wir auch. Nur versuchte ich es meinerseits relativ erfolglos bei den Damen.

Als der Urlaub nach sechs Monaten vorbei war, bemühten wir uns auch wieder nach neuen Jobs. Wir konnten uns Zeit lassen und uns aussuchen, was gefiel. So fanden wir dann auch irgendwann wieder neue Jobs und lebten in unserer komfortablen WG.

Emma, Freddi und Jonas. Wir redeten viel über diese Sache und kamen immer wieder zu dem Schluss, dass wir einfach nichts Anderes hätten tun können. Oder? Ihre Leichen wurden in der Fabrik gefunden. Zusammen mit Rüdigers Leiche. Die Polizei fand Spuren von Drogen und Alkohol in dem Blut der Kids. Es wurde in den Zeitungen als Unfall dargestellt. Bekiffte Teenager spielen auf einer Baustelle herum. So etwas passiert. Rüdigers unglücklicher Auftritt dort erklärte die Polizei damit, dass er auf eigene Faust versuchte dem Überfall auf die Bank nachzugehen. Und so erklärten sich Polizei und Presse die ganze Sache als eine Aneinanderreihung unglücklicher Umstände. Ist nicht alles immer irgendwie eine Aneinanderreihung unglücklicher Umstände? Die armen Eltern der Kids, sie taten uns so leid, aber was konnten wir tun? Hätten wir etwas tun können? Waren wir zu feige? Sid hatte es mit einem schwulen Geist getrieben. Wir mussten damit klarkommen. Irgendwie.

Die Begegnung mit Geistern und Dämonen hatte Sid und mich verändert. Hielten wir uns zuvor für relativ bodenständig, sicher im festen Glauben einer aufgeklärten Welt verankert, so belehrte uns unsere Erfahrung eines Besseren. Die Menschen glaubten einmal mehr an all diese Dinge. Sie haben sie nach und nach wegrationalisiert. War das klug? Sid und ich kehren dieser vergessenen Welt jetzt nicht mehr den Rücken zu und wissen, dass alles Geschehen immer noch von ganz anderen Mächten beeinflusst ist, als wir es uns bisher vorgestellt haben.

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