404 – DEAD LINK: KAPITEL XVI

 

 

| KAPITEL XVI – GAMBIT |

 

Die Wellen des Eismeeres peitschten gegen die Reling des alten Kutters. Ein Sturmtief hatte sich über dem Nordpazifik zusammengezogen und Regen und Hagel schlugen sich durch Donner und Blitze hindurch auf das Deck. Der Großteil der Mannschaft hatte große Mühe sich in ihren Kojen zu halten.Das Boot wurde durch den heftigen Wellengang auf und ab und von einer Seite zur anderen geworfen. Drinnen hielten sich Terry und Graham nur mit großer Mühe den Beinen, während sich der Kapitän am Steuerrad festkrallte und lauthals fluchte. Wäre er doch lieber in Barny’s Lagoon geblieben und hätte sich noch einen Grog bestellt.
„Wir hätten bei der Unwetterwarnung niemals ablegen dürfen! Das ist Wahnsinn!“, schrie Graham zornig gegen den Sturm an, der beinahe jeden seiner Laute verschluckte.
„Wir müssen es positiv sehen! So wird es uns leichter fallen, uns an sie heranzuschleichen!“, schrie Terry.
„Wenn wir das hier überleben, werden selbst wir überrascht sein. Ich sehe mal nach der Ladung. Nicht, dass wir noch in diesem beschissenen Sturm als riesiger Feuerball untergehen. Wäre doch zu schade drum!“, schrie Graham und stakste hinunter zum Laderaum.
Bei jeder einzelnen Stufe musste er erneut Halt finden und seine Faust hielt das Geländer fest umklammert.
Das Boot ächzte unter den schweren Schlägen der Wellen. Im Laderaum ist das viele Werkzeug und Material, dass in Schränken, Schubladen und Regalen untergebracht war, herausgeschleudert worden und lag nun auf dem Boden verteilt. Aber die explosive Fracht stand zum Glück immer noch mit zahlreichen Gurten gesichert fest an ihrem Platz. Doch neben dem Stöhnen des Bugs, schlich sich ein weiteres Geräusch unter den vielen Lärm, das Graham sehr wohl bekannt war. Trotzdem wollte er es nicht wahrhaben. Er stakste weiter durch den dunklen Frachtraum hindurch, bis zur Toilettenkabine. Er hoffte sich zu irren, aber als er die Tür öffnete, fand er leider genau das, was er befürchtete zu erblicken.
„Dein Magen muss doch inzwischen geleert sein, Junge. Galle zu spucken ist keine angenehme Sache, findest du nicht? Warum bist du nicht mit deinem kleinen Hintern an Land geblieben und hast dir die ganze Sache bequem aus der Ferne angesehen?“
„Und mir den ganzen Spaß entgehen lassen? Ich bitte dich! Außerdem kommt ihr doch ohne mich gar nicht klar!“, erwiderte Nick, betätigte die Spülung und richtete sich schwankend auf.

Einen halben Kontinent weiter entfernt in südlicher Richtung, in einer staubigen und heißen Wüste, kramte Dean etwas aus den großen, schwarzen Rucksäcken hervor, dessen Sinn und Zweck für Julia erst noch ein Rätsel blieb.
„Das haben wir die ganze Zeit über mit uns herumgeschleppt? Was ist das?“
„Das, meine Liebe,“, antwortete Dean während er die unterschiedlichen Teile zusammensteckte. „ist eine hauseigene Erfindung, die wir der herausragenden Ingenieurskunst unserer Nerds des Netzwerks zu verdanken haben.“
Dean schraubte und steckte die einzelnen Elemente weiter zusammen. Jetzt erkannte Julia etwas in der Form eines Longboards. Dean bat sie darum, ihm die Planen zu reichen, die noch gefaltet in den Rücksäcken lagen.
„Das hier ist unsere Eintrittskarte! Wir schlüpfen gleich noch in diese extrem stylische Tarnkleidung aus innovativster Nanotechnologie, schnallen uns die Rucksäcke mit dem Sprengstoff auf den Rücken und legen uns auf diese Babys. Dann ziehen wir uns diese Planen drüber, deren Oberfläche aus einem mimetischen Kunststoff besteht. Wie ein Chamäleon passt er sich der Umgebung an und wir werden weder vom Radar, noch von Wachen oder Kameras erkannt… Zumindest nicht auf dem ersten Blick.“
„Und wir heizen mit diesen Longboards mit Elektromotor einfach so über den Wüstenboden? Findest du nicht, dass wir vorher mal hätten üben sollen?“
„Wieso? Bist du etwa in den letzten drei Jahren eingerostet? Wir üben auf dem Weg.“
„Großartig! Hauptsache du hast deinen Spaß!“, sagte Julia barsch und schlüpfte in ihr neues Outfit. Sie fand, dass sie damit auch sehr gut im nächsten Science-Fiction Blockbuster mitspielen konnte – irgendetwas mit Mutanten, sich verwandelnden Riesenrobotern oder außerirdischen Käfern.

„Harry Potter hatte auch so ein Teil!“, stellte Nick fest, als er sich seine Ausrüstung genauer ansah. Graham rollte entnervt mit den Augen.
„Geh, zieh dich um und schnapp dir einen Zauberstab. Gleich kannst du gegen ganz viele Dementoren kämpfen.“ Nick war überrascht, dass Graham sich mit dem Genre auskannte und schmunzelte ein wenig über den Gedanken, wie Graham Abende in seiner Hütte damit verbrachte, J.K. Rowling zu lesen. Dann war ihm eingefallen, dass Graham noch nie etwas von einer Familie erzählt hatte und Nick generell nicht viel von ihm wusste. Jetzt hoffte er, dass er noch Gelegenheit dazu haben würde, mehr von seinen Freunden zu erfahren.
Das Boot hatte die Überfahrt überstanden und an einem Kai in der Nähe eines kleinen Indiodorfes angelegt. Die Frauen und Männer des Netzwerks rüsteten sich in einer zugigen Hütte am Rande des Piers für die letzte Etappe ihrer Reise, während Terry sich seinen Weg durch das wilde Schneetreiben hindurch zum Dorf gebahnt hatte.
„Hey, die Anzüge sind ziemlich cool. Kann ich meinen behalten, wenn wir mit der Mission durch sind? Auf der nächsten Comic-Con kann ich dann als X-Man gehen.“, fragte Nick und betastet den außergewöhnlichen Stoff, der sich wie eine zweite Haut an seinen Körper schmiegte.
Graham schritt mit ernster Miene auf ihn zu und presste ihm ein Maschinengewehr an die Brust. Nicks Lächeln erstarb, als er in Grahams Augen blickte. Jetzt war keine Zeit mehr für Späße, denn es ging um das Leben und den Tod vieler Menschen. Nick hatte es nicht verdrängt, das wusste auch Graham. Er versuchte nur auf seine Art damit klar zu kommen. Aber jetzt musste sich jeder auf die Aufgabe konzentrieren.
Die Tür sprang auf und in einem Wirbel aus Wind und Eis erschien Terry. Er schlug die Tür hinter sich zu und schälte sich aus Schaal und Kapuze. Er trat in die Mitte des Raums und alle versammelten sich um ihn herum.
„Unsere Motorboote stehen bereit, dank unseres Freundes Malik und seines Stammes. Mithilfe ihrer Informationen können wir nun die genauen Standorte unserer Ziele ermitteln und wissen genaueres über deren Überwachungsapparat.
Wir steuern die Energiewandler der Portale in Dreiertrupps an. Alles muss exakt getimt sein. Denkt daran: wir können nicht mehr miteinander kommunizieren, wenn wir erst unterwegs sind. Keine Funkgeräte oder Handys.“
Terry kniete sich runter auf den Boden und nahm eine Karte aus seiner Umhängetasche hervor, die er entfaltete und auslegte.
„Hier befinden sich unsere Ziele. Die Zünder sind bereits aktiviert. Also seht bitte zu, dass ihr weit genug weg seid, wenn die Ladungen detonieren. Unsere Tarntechnologie sollte uns vor den Augen der Soldaten der Pararegierung abschirmen. Der Sturm dort draußen ist Segen und Fluch zugleich. Er hilft uns beim Anschleichen, könnte uns aber auch zum Kentern bringen. Malik stellt uns für jedes Team einen Navigator bereit. Die Indios kennen die Gewässer dort draußen in und auswendig. Sie können den Weg förmlich riechen und zwar durch Wind und Wetter. Außerdem sind sie sehr motiviert diesen Typen ordentlich in den Arsch zu treten, seit sie sie von ihrem Land vertrieben und es zerstört haben. Gibt es noch irgendwelche Fragen?“
Terry stand wieder auf und sein Blick richtete sich noch einmal einzeln an jeden Mann und jede Frau. Sie waren keine Soldaten, waren nicht speziell für solche Einsätze ausgebildet. Sie alle wussten, dass die Chance eines Fehlschlags groß war. Sie hatten Angst, aber niemand ließ sie sich anmerken. Somit bestärkten sie sich gegenseitig und gaben einander Mut. So, wie sie es immer getan haben. Er betete, sie alle wiederzusehen.
„Ich danke euch und ich bin sehr glücklich, zusammen mit euch diese Sache zu Ende zu bringen. Wenn es uns gelingt, können wir endlich, nach all den Jahren, wieder zurück zu unseren Familien und Freunden. Die Welt wird nach dieser Nacht nicht mehr dieselbe sein. Sie wird eine bessere sein. Auf geht’s!“

Wenn man mit achtzig Kilometern in der Stunde bauchwärts auf einem dünnen Aluminiumbrett nur wenige Zentimeter über steinigen Wüstenboden entlang rast, kann es einem schon mulmig werden. Nacht war inzwischen hereingebrochen und eine Nachtsichtkamera lieferte ein ungewohntes, aber relativ klares Bild der Strecke vor ihnen. Ohne diese Vorrichtung, wären sie bereits an so manchem Felsen einfach zerschellt. Am liebsten hätte Julia Dean um eine Pause gebeten, oder zumindest darum, etwas Tempo herauszunehmen, aber es gelang ihr nicht laut genug zu schreien. Außerdem hatte sie ihren Stolz. Sie hoffte innig, dass der Tarnschild um sie herum hielt, was Dean ihm zugesagt hatte. Ansonsten wäre nichts auffälliger, als zwei durch die Wüste donnernde Bretter. Aber von weitem sah alles ganz anders aus. Denn das intelligente Design ihrer Deckung analysierte binnen millionstel Sekunden den Untergrund und die Umgebung und entwarf ebenso schnell ein Bild auf der Oberfläche des Gehäuses, so dass die rollenden Bretter nur aus wenigen Metern Entfernung wirklich sichtbar waren. Und wenn, dann auch nur anhand des Staubs, den sie aufwirbelten. Aus der Ferne, waren die High-Tec Longboards so gut wie nicht zu erkennen.
Julia bemerkte, wie Dean seine Geschwindigkeit langsam drosselte. Sie passte sich ihm an, bis sie beide zum Stehen kamen. Dann stiegen sie von ihren Boards ab. Dean nahm ein Fernglas aus seinem Rucksack und auch Julia blickte durch ein Nachtsichtgerät auf einen Gebäudekomplex, der in drei Kilometern Entfernung hinter einem hohen Maschendrahtzaun und zahlreichen Wachtürmen hervorragte.
„So weit so gut.“, flüsterte Dean. „Das Gelände der Nevada National Security Site. Area 51 liegt ironischer Weise gleich nebenan. Hätten die ganzen Verschwörungsheinis doch einfach mal einen kleinen Blick nach rechts riskiert. Na ja, vielleicht haben es ja welche und es gibt einen ganz bestimmten Grund, weshalb wir von ihnen nie etwas gehört haben.“
„Warst du dort nicht auch mal stationiert?“, fragte Julia.
„Ja, kurz. Aber ich habe scheinbar nur den „offiziellen“ Teil der Anlage sehen dürfen. Es gibt unterschiedliche Zutrittslevel und da kam ich als junger Kadett nicht weiter als bis zur Kantine und Latrine.“
„Und unser Ziel liegt unterirdisch? Ich hoffe wir kommen mit den gestohlenen Codes noch dadurch. Was, wenn sie die Codes geändert haben?“
„Dann wird es ein sehr kurzer Ausflug.“ Dean warf Julia eines seiner verspielten und herausfordernden Lächeln zu. Sie verdrehte die Augen und nahm seine Hand.
„Wenn wir das hier überleben sollten…“, sagte sie.
„… dann haben wir einiges nachzuholen.“, beendete Dean.
Er nahm ihr Gesicht sanft in beide Hände und küsste sie innig und hingebungsvoll. Sie sahen sich in die Augen und gaben sich zu verstehen, dass sie beide bereit waren. Dann liefen sie über das Hochsicherheitsgelände der US Army.

Nick hatte zuvor noch nie solch eine Kälte gespürt. Er fragte sich, wie lange es wohl dauern würde, bis man erfriert. Merkt man überhaupt, wenn man kurz davorstand? Er klammerte sich fest in die Ecke des Boots und bewunderte Graham, wie er scheinbar mühelos seine Position halten konnte und den Außenmotor steuerte. Das Schlauchboot peitschte durch das Wellenmeer und Nick befürchtete, dass sie jeden Augenblick kentern oder durch den vielen Sprengstoff an Bord in viele kleine, rote Fetzen gesprengt werden würden. Der Indio, der ihnen zugeteilt wurde, hieß Balam, saß ihm stoisch gegenüber und deutete Graham den Weg.
„Wie weit ist es noch?“, rief Nick zu ihm hinüber.
„Nicht mehr weit! Dort vorn!“, rief der Indio durch den Sturm zurück.
Graham drosselte die Geschwindigkeit. In wenigen hundert Metern Entfernung ragte etwas aus der See heraus, dass man für eine Bohrinsel halten könnte. Die Wellen brachen sich an den vier Säulen, die eine schwere Plattform trugen, die in etwa die Größe eines Footballfeldes hatte. Vier Wachtürme ragten über jeder einzelnen Säule empor und Flutscheinwerfer durchkreuzten das umliegende Gewässer.
„Dann lasst uns mal unsere Tarnkappe drüberziehen! Hoffentlich funktioniert dieses Ding, sonst sind wir geliefert!“, schrie Graham, stellte den Motor ab und öffnete eine der beiden großen, schwarzen Metallkisten, die mit im Boot vertäut waren. Balam und Nick halfen ihm die Apparatur über das Schlauchboot zu ziehen und zu befestigen. Nun ähnelte das Boot einem Schildkrötenpanzer. Und als Graham den mit der Vorrichtung verbundenen Motor einschaltete, verschwand das Boot plötzlich in einem kurzen elektrischen Flackern und war nicht mehr zu sehen.

„Warte ich habe genau für diesen Fall ein herrliches Gimmick mitbekommen. Das wollte ich schon immer einmal ausprobieren.“, flüsterte Dean, als sie vor dem Maschendrahtzaun standen.
Er griff in die Innentasche seiner Weste und nahm eine kleine Ampulle heraus, die von der Form her wie eine kleine Trinkflasche wirkte. Als Dean ihren Inhalt allerdings kreisförmig auf die Maschen des Zauns träufelte, entfaltete sich die ätzende Wirkung des Inhalts und das Metall löste sich in dünne Rauchschwaden auf.
„Ist es nicht ziemlich bescheuert so etwas in seiner Brustasche mit sich herumzutragen?“
Deans Lächeln erstarb abrupt.
„Spielverderber.“
„Was ist mit Infrarotkameras, Bewegungsdetektoren und solchen Sachen?“, flüsterte Julia.
„Deswegen tragen wir ja diese coolen Anzüge. Denk bitte nur daran, dass wir nicht unsichtbar sind, im Gegensatz zu unserem flotten Fahrgestell von vorhin.“
Vorsichtig stanzte Dean das eingeätzte Loch auf und sie stiegen hindurch. Noch waren sie relativ weit vom Zentrum des Geländes entfernt. Wachposten schienen hier noch nicht zu patrouillieren. Aber dies würde sich bald ändern. Dean warf einen raschen Blick auf seine Armbanduhr.
„Wir sollten uns beeilen. Die Sprengungen müssen synchron erfolgen, sonst verderben wir den anderen noch ihre Überraschung.“
Für einen kurzen Augenblick dachte Julia an Nick, Graham und Terry und hoffte, dass bei ihnen alles gut war. Dann verdrängte sie aber ihre Sorgen, atmete tief durch und konzentrierte sich wieder auf ihre Aufgabe.
„Dann quatsch nicht so viel, Soldat, sondern beweg deinen Arsch!“, flüsterte sie.
Julia nahm ein Nachtsichtgerät aus ihrem Rucksack und setzte es auf. Ihr Vater hatte solche Geräte oft gerne von seinem Stützpunkt mitgebracht als sie Kind war und sie durfte sie dann auf ihren Nachtwanderungen durch die Wildnis benutzen. Deswegen waren sie für sie bekanntes Spielzeug. Dann liefen sie los.
Die ersten Wachposten und Soldaten passierten sie relativ mühelos. Der ganze Sicherheitsapparat der Pararegierung stützte sich anscheinend komplett auf Kameras und Sensoren, die sie dank ihrer Tarnanzügen nicht erfassen konnten.
Nachdem sie ein Labyrinth aus Hütten, kleineren Gebäuden und Zelten passiert hatten, standen sie jetzt vor dem Eingang, den Dean als Zugang zum unterirdischen Portal identifizierte. Er nahm die gestohlene Codekarte zur Hand und zog sie durch den Schlitz am Lesegerät rechts neben der Tür. Es ertönte ein unfreundliches Piepen und ein roter Schriftzug erschien auf dem Display, der ihnen sagte, dass der Code nicht akzeptiert wurde.
„Verdammt!“, fluchte Dean und versuchte es noch einmal. Aber der Zugriff wurde ihnen erneut verweigert. Julia und Nick wechselten verzweifelte Blicke. Ihnen musste etwas einfallen, irgendetwas, womit sie… Auf einmal hörten sie etwas von der anderen Seite des Zugangs. Sie sprinteten um die Ecke und die schweren Flügel der Stahltür glitten auseinander. Zwei Männer in weißen Kitteln kamen plaudernd heraus. Julia blickte Dean an und zuckte mit der Schulter. Dann rannte sie los, ehe Dean überhaupt reagieren konnte und zog ihre schwere Taschenlampe hervor. Sie schlug den ersten Mann durch einen schweren Hieb auf den Hinterkopf k.o. Der zweite reagierte allerdings schneller, als sie vermutet hatte, wehrte ihren Schlag ab und verpasste ihr einen rechten Schwinger, der sie zu Boden warf. Doch dann war Dean zur Stelle und knockte den Mann nach einem kurzen Gerangel souverän aus. Julia rappelte sich wieder auf, wischte sich das Blut von der Nase und zog einen der Männer neben den Eingang.
„Alles in Ordnung?“, fragte Dean und schnappte sich den anderen.
Julia befühlte ihr Nasenbein und winkte beschwichtigend ab.
„Er hat meine Nase ein wenig angeknackst. Aber da kenn ich Schlimmeres. Wir haben außerdem keine Zeit für Zimperlichkeit. Ich habe die Chipkarte von diesem hier. So sollte es weitergehen.“
Sie hatten die Männer mit ihren eigenen Schnürsenkeln gefesselt, mit ihren Socken geknebelt und hinter dem Eingang verfrachtet. Sie hofften, dass sie nicht allzu bald entdeckt werden würden. Die Chipkarte des Einen öffnete ihnen tatsächlich die Tür. „So geht es natürlich auch.“, gestand Dean mit ehrlichem Respekt.
Sie liefen einen langen, Korridor entlang, der sie zu einem Fahrstuhl führte.
„Oh bitte, nicht schon wieder!“, stöhnte Julia.
„Warte!“, flüsterte Dean, nahm einen Kaugummi aus der Hosentasche und stopfte ihn sich in den Mund. Julia blickte ihn fragend an. Er kaute einige Male auf ihm herum und nahm ihn dann wieder heraus. Dann trat er schnell in den Aufzug und griff in die obere linke Ecke.
„Jetzt kannst du reinkommen.“, sagte er.
Er hatte die im Fahrstuhl installierte Kamera mit dem Kaugummi zugeklebt.
Dean betätigte den einzigen Knopf im Fahrstuhl und der Aufzug glitt schnell und ruhig tief hinab. Binnen weniger Sekunden hatten sie die unterste und einzige Etage erreicht.
Die Tür öffnete sich, sie sprinteten hinaus und bogen um die nächste Ecke eines weiteren, unbekannten Terrains.
„Warum haben die uns nicht schon längst entdeckt?“, fragte Julia.
„Sie fühlen sich zu sicher, unbesiegbar. Baxter denkt, selbst wenn wir ein Portal angreifen und zerstören. Es gibt noch hunderte und die Verantwortlichen werden gefasst und so lange gefoltert, bis sie alles ausgespuckt haben, was sie wissen. Aber wir haben den kleinen Ventilationsschacht an diesem Todesstern entdeckt.“
„Was?“
„Star Wars, Episode IV? Der Klassiker?“
„Ich habe mir die Filme immer noch nicht angesehen.“
Dean war entrüstet, wollte diesen Frevel abmahnen, aber er entschied sich dann doch dafür, sich wieder auf ihre Mission zu konzentrieren.
„Von hier aus haben wir keine genaue Karte mehr, aber laut unseres Informanten müssen wir einfach…“
Hinter seinem Ohr klickte es und er spürte im Rücken etwas schmales und hartes, das ihm zwischen die Schulterblätter gepresst wurde.
„Ganz ruhig, ihr beiden. Baxter wartet schon auf euch. Und bitte keine Anstalten. Wir wissen schon längst, dass ihr hier seid.“
Julia und Dean drehten sich langsam um und blickten in das emotionslose Gesicht eines Mannes im grauen Anzug. Hinter ihm standen zwei seiner Kollegen.
„Dean, hattest du gewusst, dass wir von Agent Smith, Jones und Smith Jr. abgeholt werden?“, fragte Julia skeptisch.
Dean antwortete nicht und gab sich auch keine Mühe zu verhindern, dass sich seine Mundwinkel zu einem amüsierten Lächeln nach oben zogen.
„Das ist das letzte!“, schrie Nick, als er das vierte Paket am Fuß einer der tragenden Säulen der Plattform angebracht hatte.
„Dann nichts wie weg! Wir haben nur noch drei Minuten bis uns der Laden um die Ohren fliegt!“
In dem Moment, als Graham das Ruder herumriss, um den Rückzug einzuleiten, wurden sie von einem gleißenden Licht erfasst.
„Bleibt, wo ihr seid, oder wir eröffnen das Feuer!“, donnerte eine Stimme durch ein Megafon.
Lärm von rotierenden Rotorblättern umschlang sie und ein Hubschrauber senkte sich zu ihnen hinab. Auch der pfeifende Kugelhagel, der neben ihnen ins Wasser einschlug war nicht zu überhören. Es war ein Warnschuss und sie erhoben alle drei langsam ihre Hände.
„Nein, bitte nicht, so ein verdammter Dreck! Graham, was tun wir jetzt?!“, rief Nick.
Graham sah ihn lächelnd an und zwinkerte ihm verschlagen zu. Irgendetwas musste Nick auf jeden Fall verpasst haben.

 

 

 

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