Blutdiamanten

 

Dienstag, 01:54 Uhr, 30.05.2018

Queens, New York City

Regen prasselte gegen die Fensterscheiben des spärlich eingerichteten zwei Zimmer Appartements und formte dabei hunderte kleine, transparente, zuckende Würmer. Im sechsten Stock war der Straßenverkehr kaum noch zu hören und das Wetter hatte sich zum Glück ein wenig abgekühlt. Raphael konnte die heißen Sommermonate nicht ausstehen. Er war zu sehr an die Kälte des Nordens gewöhnt. Sobald er genug Geld zusammengespart haben würde, wäre er dorthin wieder zurückgegangen. Leider bekam ein 19-jähriger ohne irgendeinen Abschluss oder Ausbildung in diesem Land nur schwer einen halbwegs gut bezahlten Job, um sich seine Traumbleibe leisten zu können. Das kleine Apartment in Queens musste seinen Ansprüchen vorerst genügen. Er hatte es zumindest erstmal geschafft, sich soweit wie nur möglich von seinem alten zuhause zu entfernen und einen Ort gefunden, wo es ihm gelingen könnte, seine Vergangenheit zu begraben. Und zwar so tief wie nur möglich.  

Raphael drehte sich auf die Seite und schob die dünne Wolldecke beiseite. Er blickte auf die rot leuchtenden Zahlen seines Weckers. Noch vier Stunden. Dann geht die Arbeit unten am Hafen weiter. Es war ein guter Job. Sein bester bisher. Er forderte ihm körperlich einiges ab. Trotzdem konnte er nicht schlafen. Eigentlich konnte er seit fast fünfzehn Jahren nicht mehr schlafen. Aber die letzten Nächte waren nochmal anders.

Ein Klicken. Oder vielmehr ein Tropfen. Was war das? Nein, nicht wieder! Raphael hielt die Luft an, um es besser zu hören. Platsch. Hatte er vielleicht nur vergessen ein Fenster zu schließen? Der Regen könnte sich einen Weg hinein gebahnt haben. Doch dieses Tropfen hatte eine andere Konsistenz als Wasser. Es war schwerer, klumpiger. Und da war noch etwas anderes.

Raphael atmete so ruhig und flach wie nur möglich weiter. Er rührte sich keinen Zentimeter, um selbst nicht das geringste Geräusch zu verursachen. Und da hörte er es. Ganz deutlich zwischen dem Prasseln des Regens. Ein Atmen. Ein leises Röcheln aus der Dunkelheit seines Schlafzimmers. Raphaels Puls raste. Seine Augen waren jetzt weit aufgerissen und jede Faser seiner Muskeln gespannt. Er spürte, wie es kälter wurde und die Welt außerhalb seines Zimmers auf einmal verstummte. Ein Schatten verschlang das Zimmer und in der Ferne raschelte das Feuer und schlugen die Trommeln.

„Finde die Steine und bring sie nach Hause. Du musst sie ihnen zurückbringen. Tu es mein Sohn. Du musst. Dann sind wir wieder frei.“

Das Röcheln der Stimme seines Vaters drang aus der Ecke des Schlafzimmers, dort, wo der Sessel stand. Raphael spürte, wie er dort saß und ihn beobachtete. Er hörte, wie das Blut weiter aus den zahlreichen Stichwunden aus seinem Brustkorb troff. Ein nicht endender Strom von Blut. Er kniff die Augen zusammen und konzentrierte sich, um sich selbst aufzuwecken. Er musste nur aufwachen. Es war nicht real. Er bildete es sich nur ein.

„Du weißt, wo sie sind, Raphael. Hole sie und bringe sie zurück. Bringe sie zurück, Junge.“

Raphael lag auf der Seite, mit dem Rücken zum Sessel. Jetzt konnte er den metallenen Geruch des Blutes riechen, wie es sich langsam seinen Weg über den Boden und unter sein Bett durchs Zimmer bahnte. Raphael schluckte schwer, atmete verkrampft, kämpfte gegen seine Angst und zwang sich seine Augen ein stückweit zu öffnen. Im fahlen Lichtschimmer konnte er den schwarzen Strom nun sehen, wie er sich ausbreitete und sich aus ihm langsam ein See formte, der in jede Ritze des Bodens drang, um ihn dann gänzlich zu verschlingen. Zitternd drehte Raphael sich um. Er musste ihm in die Augen sehen. Er konnte sich nicht länger abwenden.

Zuerst streifte sein Blick den Boden, eine einzige, klebrige, dunkle Masse. Dann sah er die Stiefel, die alten Wanderstiefel, die er immer getragen hatte, als er noch gesund war. Er sah, wie sie in der dunklen, klebrigen Masse des Blutes allmählich versackten. Sein Blick wanderte an den Unterschenkeln entlang, zur Hüfte. Er sah seine Unterarme auf den Lehnen ruhen. Sein Blick wanderte zu den Schultern. Er erkannte das karierte Flanellhemd. Genauso, wie er es in Erinnerung hatte. Sein Vater hatte niemals andere getragen. Dann sah er sie. Die zahlreichen Einstichwunden. Sein Onkel, in dessen Obhut er als Fünfjähriger gekommen war, sagte ihm damals, dass es zweiunddreißig gewesen waren.

„Geh weg! Du bist nicht real!“

Die Gestalt rührte sich keinen Zentimeter. Aber die fahlen, leblosen Augen hatten ihn ins Visier genommen.

„Nicht bevor du es geholt hast!“, drohte die Stimme.

„Du bist tot! Hörst du? Tot! Seit fünfzehn Jahren! Geh weg! Geh weg!“, schrie er mit aller Kraft. Er kniff die Augen zusammen, schlug die Arme über den Kopf und presste seine Hände gegen die Ohren. Er verharrte einigen Minuten in dieser Position und erst dann wagte er vorsichtig wieder hinzuhören und die Augen wieder langsam zu öffnen.

Raphael hörte auf zu weinen. Es war nicht das erste Mal, dass sein Vater ihn nachts besuchte. Er musste endlich herausfinden, was er von ihm wollte. Raphael musste seine Angst besiegen. Sonst würde er nie wieder verschwinden. Mit seiner ganzen Kraft versuchte er sich zusammenzureißen. Er hörte auf zu zittern, atmete ruhiger und richtete sich dann langsam auf. Sein Körper gehorchte ihm endlich wieder. Und da bemerkte er zum ersten Mal etwas ganz Entscheidendes. Es war der Ausdruck auf dem Gesicht seines Vaters. Es lag ein Flehen in ihm, das in Raphael tiefstes Mitleid erweckte. Zum ersten Mal, seit er diese Vision seines Vaters hatte, hatte er keine Angst. Zum ersten Mal war er gewillt ihm zuzuhören, um zu erfahren, weshalb er ihn nach so langer Zeit heimsuchte.

„Das Zimmer, Raphael, suche es und bring sie ihnen zurück! Die Steine. Bring sie ihnen zurück!“

Und dann herrschte wieder absolute Stille und tiefste Dunkelheit umschlang ihn. Raphael fühlte sich schwerelos. Als ob er aus einem Abgrund hinausgezogen würde. Er riss die Augen auf. Er war wach. Er blickte auf das leuchtende Ziffernblatt seines Weckers und hörte wieder den Regen und die Autos, die sich einige Stockwerke unter ihm den Weg durch die dunkle Nacht bahnten.

Aber dann, ein Schatten, der sich über das Bett beugte. Ein Schatten umhüllt vom Gestank verfaulenden Fleischs. Ein lautloser Schrei entwich Raphaels Kehle, als er ein bleiches Gesicht neben dem seinen erschien. Tote Augen durchbohrten seinen Blick und stachen tief in seine Seele hinein.

„Finde die Steine und bring sie zurück!“

 

Drei Wochen später.

 

„Erzählen sie mir von ihrem Vater.“

Dr. McCoy klappte sein schwarzes Notizbuch auf und nahm seinen silbernen Kugelschreiber zur Hand. Er saß Raphael mit überschlagenen Beinen in einem Sessel gegenüber. Raphael hatte auf dem Sofa Platz genommen, zog es aber vor zu sitzen. Im Liegen könnte er sich noch weniger entspannen. Er mochte Dr. McCoy. Raphael hatte zwar keinen Vergleich, aber er fühlte sich bei ihm nach den einigen Sitzungen, die sie bereits zusammengearbeitet hatten, in guten Händen. Er war sicher, dass er es mit einem kompetenten, professionellen Mann zu tun hatte, der sich auf seinem Gebiet auskannte. Raphael war zuversichtlich, dass dieser Mann ihm helfen könnte. Auch wenn er bei McCoy nicht direkt den Eindruck hatte, einem Psychiater gegenüber zu sitzen, aber vielleicht machte gerade das ihn auf Anhieb sympathisch.

Er atmete mehrere Male tief ein und konzentrierte sich. Er sammelte seine Gedanken, versuchte sie zu ordnen, sie in eine Reihenfolge zu bringen. Doch es war eine reine Bilderflut und ein Meer von Emotionen, die jedweden Versuch einer Ordnung oder Aneinanderreihung völlig unmöglich machten.

„Was wollen sie wissen? Womit soll ich anfangen?“

„Erzählen sie mir heute zum Einstieg vielleicht davon, was sie generell über ihren Vater wissen. Was wissen sie von seinem Leben?“

Raphael biss sich auf die Unterlippe und versuchte die Emotionen beiseite zu schieben, um für einen Augenblick die schlichten Daten zu den Lebensstationen seines Vaters abzurufen. Fast alles kannte er aus den Erzählungen seines Onkels. Es war mittlerweile zwei Jahre her, dass auch sein Onkel bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.  

„Er war Soldat. Bei der Army. Er wurde im Einsatz in Westafrika verwundet und ehrenhaft entlassen. Aber er war von da an bis zu seinem Tod an den Rollstuhl gefesselt. Hatte es nicht verkraftet. Er fing an zu trinken, als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Der Suff hatte dann bald seinen Verstand zerfressen und er redete immer häufiger von irgendeiner alten Schuld und von Dämonen und Geistern. Irgendein Voodoo-Zeugs, dass er in Afrika aufgeschnappt haben musste. Mom hatte mich immer von ihm ferngehalten, wenn er damit anfing.“

Dr. McCoy nickte, während er sich Notizen in sein Büchlein machte. Raphael blickte nervös auf das Buch. Er hatte auf einmal ein schlechtes Gewissen, dass er einem fremden Menschen etwas anvertraute, was ihn nichts anging. Er kam sich vor, als würde er seinen Vater und seine afrikanischen Vorfahren irgendwie hintergehen. Dr. McCoy war sein Blick nicht entgangen. Er hörte abrupt auf, sich Notizen zu machen und blickte Raphael über seine Brillengläser aus an. Er nahm seine Lesebrille ab und lächelte.

„Diese Notizen sind nur für mich, Raphael, das weißt du doch, oder?“

Raphael schluckte schwer, nickte Dr. McCoy zu, aber es fehlte ihm an Überzeugung. Über seinem Gesicht breitete sich Unsicherheit aus. McCoy legte das Notizbuch beiseite, nahm die Lesebrille ab und beugte sich nach vorn. Auf einmal erinnerte er ihn an seinen alten Basketball Coach, bevor dieser eine seiner berüchtigten Reden vor Spielbeginn hielt.  

„Raphael, ich weiß, dass du Angst hast, du könntest deinen Vater hintergehen, oder deine Mutter. Als du vor zwei Wochen in meine Praxis kamst, warst du völlig aufgelöst. Du hast deinen Job verloren, weil du nicht mehr schlafen kannst. Das hier ist akut. Wir müssen herausfinden, was deine Visionen oder Alpträume verursacht. Und dafür müssen wir in deine Vergangenheit sehen und Dinge offenlegen, die vielleicht nicht gerade die angenehmsten sind. Ich will dir nichts vormachen. Es kann ganz schön hässlich werden, aber wir müssen dadurch, sonst werden dich diese Dämonen ein Leben lang verfolgen!“

Raphael fasste neuen Mut und nickte entschlossen. Er entspannte seine Hände und legte die Handflächen sanft auf seine Oberschenkel, so, wie er es in den vorangegangenen Sitzungen gelernt hatte. Er öffnete die Augen und blickte Dr. McCoy mit Zuversicht an. McCoy nickte zufrieden und lehnte sich wieder zurück.

„Okay, wir gehen jetzt ein wenig weiter in die Tiefe und versuchen etwas konkreter zu werden. Beschreibe mir bitte nochmal, wo und unter welchen Umständen dein Vater verwundet wurde.“

„Dad hatte darüber nicht gesprochen. Ich war zwar noch klein, aber an solch eine Geschichte würde ich mich bestimmt erinnern. Mein Onkel hatte mir später davon erzählt. Mein Vater war im Kampfeinsatz im Kongo und hatte als einziger seiner Einheit überlebt. Es sollten Geiseln befreit werden. Aber irgendetwas lief schief. Seine Kameraden wurden getötete und eine Kugel traf ihn im Bauch und durchtrennte seine Wirbelsäule. Das wars. Bevor sie ihn endgültig erledigen konnten, kam die Kavallerie.“

„Du sagtest, dass dein Vater nach dem Gefecht nicht mehr derselbe war. Kannst du dich noch an Einzelheiten erinnern? Vielleicht etwas, wovon er gesprochen hatte?“

„Ich war, wie gesagt, noch sehr jung, vielleicht vier oder fünf Jahre alt, aber ich weiß noch, dass er nie wieder so war, wie vorher… ich meine nicht das Laufen… Ich meine sein ganzes Wesen. Er hat einfach nicht mehr gelacht und war immer sehr betrübt. Und trotzdem, ich bin mir sicher, dass es nicht nur an dem Rollstuhl lag. Es musste noch etwas anderes passiert sein… vorher. Da war etwas, das wie ein stummer Schatten über uns lag. Etwas, worüber Mom und Dad nicht sprechen wollten. Ich hatte es gespürt. Es musste etwas Schlimmes sein.“

Dr. McCoy sah, wie schwer es Raphael fiel, sich zu konzentrieren. Seine Erinnerungen waren unter den Trümmern eines kaputten Familienlebens begraben. Aber an dieser Stelle der Geschichte waren sie nun in den vorherigen vier Sitzungen schon so oft angekommen. McCoy wusste, was als nächstes passieren würde. Raphael würde wieder alle Türen zu seiner Erinnerung schließen und McCoy nicht weiter in seine Vergangenheit hineinlassen. Er musste also eine andere Lösung finden. Diesmal würde er etwas Neues ausprobieren, etwas, was nicht ohne Risiko war.

„Raphael, ich würde gerne versuchen, dich in eine leichte Hypnose zu versetzen. Das wird dir dabei helfen, deiner Erinnerung ein wenig auf die Sprünge zu helfen, um wieder freizuschaufeln, was dein Unterbewusstsein vergraben hat. Dabei würde ich dich gezielt in einen tranceähnlichen Zustand versetzen, wodurch du dich stärker auf das fokussieren kannst, was dein Unterbewusstsein verdrängt. Dadurch könnten wir in der Lage sein, die emotionalen Konflikte aufzulösen, indem wir ihnen auf die Spur kommen. Ich habe das schon sehr oft zusammen mit anderen Patienten sehr erfolgreich durchgeführt. Du brauchst keine Angst zu haben. Es kann dir nichts passieren.“

McCoy stand auf und ging zu seinem Schreibtisch, aus dessen Schublade er eine kleine Dose nahm. Er öffnete sie und reichte Raphael eine kleine blaue Pille daraus.

„Es ist nur ein leichtes Mittel zur Entspannung. Das wird uns helfen.“

Raphael nahm die Pille leicht widerwillig entgegen. Ihm war nicht wohl bei dem Gedanken sich derart auszuliefern. Er war eigentlich froh, trotz allem, Drogen und Alkohol widerstanden zu haben und sich sein Leben davon nicht noch zusätzlich zu versauen.

Andererseits vertraute er Dr. McCoy und wenn er ihm als einziger helfen kann dieses Ding in seinem Kopf loszuwerden, dann würde er dieses Risiko gerne eingehen. Das musste es einfach wert sein. Er presste die Lippe aufeinander und verzog das Gesicht, als hätte er in eine Zitrone gebissen, als er die Pille mit einem Glas Wasser runterspülte.

McCoy stand auf, knipste die Deckenlampe aus und schloss die Jalousien, auch wenn sie nicht mehr viel Licht in den Abendstunden des Herbsttages hereinließen.

„Leg dich auf das Sofa, schließe die Augen und entspanne dich.“

McCoy nahm wieder in dem Sessel gegenüber von Raphael Platz. 

„Atme ganz langsam und tief ein und noch langsamer wieder aus. Lass deine Hände sanft in deinem Schoß ruhen und konzentriere dich voll und ganz auf deinen Atem und meine Stimme. Wenn Gedanken, Bilder, Erinnerungen und Gefühle, wie Angst, Unsicherheit und Zweifel in dir aufkommen, lass sie einfach vorbeiziehen, wie Wolken unter einem blauen Himmel. Konzentriere dich stets immer nur auf deinen Atem. Nichts weiter. Ein und Aus. Immer wieder. Immer ruhiger. Du bist hier sicher.  Nichts kann dir passieren.“

Es war seltsam. So tief entspannt hatte sich Raphael seit Jahren, oder eigentlich noch nie gefühlt. Er genoss den kleinen Trip. Jedenfalls bis jetzt.

„Ich bin immer bei dir und wenn ich deinen rechten Arm berühre, sind wir sofort wieder im hier und jetzt. Dann bist du sofort wieder wach und sitzt mit mir in meinem Büro, okay?“

Raphael hob und senkte ganz langsam seinen Kopf. McCoys Stimme schien nun in weiter Ferne. Er selbst schwebte in einem endlos weitem Raum.

„Gemeinsam gehen wir jetzt zurück in die Vergangenheit. Ich möchte, dass du jetzt ganz stark bist. Aber wir müssen dahin zurück. Erzähle mir von deinen Eltern. Was ist deine letzte Erinnerung an sie?“

Raphaels Augenlider zucken, als würde er in einem tiefen Traum von einer Meute tollwütiger Wölfe gejagt werden. Er atmete schneller und seine Hände zogen sich wieder zu Fäusten zusammen. McCoy wartete stoisch auf eine Antwort. Seine Miene verhärtete sich. Mitgefühl war in seinen Zügen schlagartig nicht mehr zu finden.

„Es ist Weihnachten. Mom hat einen kleinen Baum gekauft und ich sitze davor und packe die Geschenke aus. Mom und Dad sitzen am Wohnzimmertisch und sehen mir still dabei zu. Mom sieht nicht glücklich aus. Sie sieht immer so traurig aus. Ich habe sie schon so lange nicht mehr lachen sehen. Dad sitzt dort an dem Tisch in seinem Rollstuhl. Er ist noch nicht so lange her, dass er aus Afrika wieder zurück ist. Auch er sieht traurig aus und scheint mit seinen Gedanken ganz woanders zu sein. Aber ich packe mein erstes Päckchen aus. Es ist das größte von allen. Es ist das Raumschiff, das ich mir gewünscht hatte. Ich laufe hinüber zu Mom und falle ihr um den Hals. Für einen kurzen Augenblick sehe ich wieder ein ehrliches Lächeln in ihrem Gesicht. Aber in ihren Augen sammeln sich plötzlich Tränen. Habe ich etwas falsch gemacht? Ich gehe rüber zu Dad und zeige ihm mein Geschenk. Aber ich wusste bereits, dass es ein Fehler war. Er sah mich an, als wäre ich ein Fremder. Dann nahm er mir das Raumschiff aus der Hand und warf es wütend auf den Boden. Es zerbrach. Ich fing an zu weinen und sammelte die einzelnen Stücke auf. Dad schrie irgendetwas. Mom ist aufgesprungen und schimpfte mit Dad. Wieder stritten sie sich.“

Eine Träne floss Raphaels Wange hinunter. Noch immer hatte er die Augen geschlossen. Seine Finger krallten sich in seinen Oberschenkeln fest.

„Sag mir, was dein Dad gesagt hat. Worüber haben sich deine Eltern gestritten?“

Raphael strengte sich an, die Bruchstücke seiner Erinnerung wieder zusammenzufügen.

„Ich fing an zu weinen und habe mich in die Ecke gekauert. Ich verstand nicht, worüber Dad schimpfte und über was er sich mit Mom gestritten hatte. Aber Mom gefiel es ganz und gar nicht. Das habe ich ihrem Gesicht gesehen. Und noch nie habe ich so viel Angst bei ihr gesehen. Panische Angst.“

Raphael warf seinen Kopf hin und her und presste die Augenlider aufeinander. Er verzog das Gesicht, als spürte er einen stechenden Schmerz. McCoys Miene allerdings verhärtete sich weiter und er machte keine Anstalten die Sitzung abzubrechen. Er wartete nur ungeduldig und angespannt auf Raphaels weitere Ausführungen.

„Er sagte zu Mom: „Wir können uns hier nicht ewig verstecken. Bald werden sie uns finden und sie werden die Wahrheit herausbekommen. Wir müssen uns beeilen. Wir müssen es holen. Wir müssen zurück ins Zimmer 204 und es holen.“ Mom sah dann ängstlich auf mich hinab, als wäre ich ein unerwünschter Zeuge. Dann wurde auch Dad wieder auf mich aufmerksam und sagte Mom, sie solle mich gefälligst auf mein Zimmer bringen. Das tat sie dann auch unter Tränen. Ich weinte und schrie. Sie versuchte mich zu beruhigen, ließ mich dann aber allein im Zimmer zurück, als mein Dad wieder nach ihr rief. Sie stritten eine lange Zeit miteinander. Es flogen wieder Gläser und Flaschen gegen die Wände. Das war für mich kein unbekannter Lärm. Und am nächsten Morgen war die Polizei da.“

McCoy zog überrascht die Augenbrauen hoch. Hier waren sie nun an einer neuen Stelle angekommen, die Raphael so zuvor noch nicht erzählt hatte. Gespannt räkelte sich McCoy in seinem Sessel und trieb Raphael an, mehr zu berichten. Dieser weinte und schluchzte, aber McCoy ließ es kalt. Seine Ungeduld mehr zu erfahren nahm langsam aber stetig aggressive Züge an.

„Die Polizei? Was machte die Polizei bei euch? Was ist an dem Abend noch geschehen?“

Raphaels Brustkorb hob und senkte sich schnell und heftig. Er warf den Kopf immer wieder hin und her. Er steckte mitten in seinem dunkelsten Alptraum. Aber McCoy machte nicht die geringsten Anstalten seinen Patienten aus seinem offensichtlichem Leid zu befreien.

„Raphael, was suchte die Polizei an diesem Morgen bei euch in der Wohnung?“, fragte McCoy mit Nachdruck.

„Mom… Mom hatte einen Unfall!“

Tränen rannen über Raphaels Wange und sein Gesicht war schmerzverzerrt.

„Ich will nicht mehr. Lassen sie uns aufhören!“, flehte Raphael.

McCoy griff in seine Hosentasche und zog wieder die Dose mit den Pillen heraus. Er nahm eine in die Hand, beugte sich hinüber und schob sie mit Gewalt in Raphaels Mund. Immer noch in Trance konnte er sich kaum davor wehren.

„Was für einen Unfall? Was ist geschehen?“

McCoys Ton wurde zunehmend härter und jetzt schüttelte er Raphael mit beiden Händen an seiner Schulter. Raphael weinte und gab nach. Er kämpfte sich weiter durch die dunklen Korridore seiner Erinnerung, um die Bilder jener Nacht wiederzufinden.

„Sie ist die Treppe runtergefallen. Sie hat sich sehr weh getan. Sie ist nicht mehr aufgestanden.“

Die Tränen flossen jetzt in Strömen Raphaels Gesicht hinunter. Er schlug mit den Fäusten auf das Polster und trat mit aller Gewalt um sich. McCoy wich in seinen Sessel zurück. Raphaels Herz wollte seinen Brustkorb durchschlagen und er schrie panisch auf. Doch seine Augen blieben geschlossen und er war immer noch in dem Käfig seiner Erinnerungen gefangen.

„Du weißt mehr! Raus damit! Was ist passiert!“, schrie McCoy.

Raphael wehrte sich mit aller Kraft, aber die Wirkung der neuen Pille zog ihn weiter hinab in das Dunkel seiner Vergangenheit. Er konnte nicht entkommen.

„Nachts bin ich wieder aufgewacht, weil ich Stimmen hörte. Es waren Mom und Dad, aber noch eine weitere Stimme. Eine fremde Stimme. Es war ein Mann. Die drei stritten sich. Ich konnte aber nicht verstehen, worum es genau ging. Irgendetwas mit einer Beute, einem Versteck und Schulden. Sie redeten über Westafrika und den Krieg. Dann ging der Mann irgendwann wieder und schlug die Tür hinter sich zu. Mom und Dad waren still. Erst wollte ich zu ihnen runter gehen, traute mich aber nicht. Also lauschte ich weiter von meiner Zimmertür aus. Sie redeten immer noch über eine Beute, immer noch über Westafrika und darüber sie den Menschen zurückzugeben.“

McCoys Miene verfinsterte sich und in ihm brodelte unbändiger Hass.

„Haben sie etwas über das Versteck gesagt?“, knirschte McCoy zwischen seinen Zähnen hervor.

„Sag es ihm nicht!“, ertönte eine Stimme wie ein Echo aus einer fremden Welt. Sie zog ihn aus der Erinnerung heraus und bewahrte ihn davor noch mehr an McCoy preiszugeben.

„Dad?“

McCoy blickte Raphael fragend an. Hatte er den Stoff vielleicht doch zu hoch dosiert? Der Junge durfte keinen Zusammenbruch erleiden. Er war die beste Quelle, die er in den letzten Jahren auftreiben konnte. McCoy hechtete auf Raphael zu und berührte seinen rechten Unterarm.

„Wach auf, Raphael! Wach auf!“

Raphael schlug die Augen auf und sein Blick schweifte orientierungslos durch McCoys Büro. McCoy schaltete schnell das Licht wieder ein und reichte Raphael ein Glas Wasser. Raphael setzte sich auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Immer noch pochte sein Herz wie das eines hysterischen Kolibris. Es dauerte eine weitere Minute, bis er wieder wusste wo er war. Dann erst nahm er das Glas entgegen, leerte es auf einen Zug und wartete gespannt und ängstlich darauf, dass McCoy ihn darüber aufklärte, was geschehen war, denn er konnte sich nicht an die letzten Minuten erinnern. Er wusste nicht, in welche Erinnerungen er abgetaucht war.

„Was ist geschehen?“, fragte er zögernd.

McCoy legte gekonnt wieder die Maske des besorgten Arztes auf. Aber Raphael spürte, dass dort etwas ganz und gar nicht stimmte. McCoy war ihm auf einmal nicht mehr so vertrauenserweckend. Auch wenn er bewusst nichts von seiner Wandlung mitbekommen hatte, spürte er nun ein großes Misstrauen und eine tiefe Abneigung gegen den Menschen, der ihm gegenübersaß.

„Du hast mir von dem letzten Abend erzählt, den du zusammen mit deiner Familie verbracht hast. Von der Nacht, in der deine Mutter gestorben ist. Du hast den Tod deiner Mutter, geschweige denn die Umstände, unter denen sie gestorben ist, nie in unseren vorherigen Sitzungen erwähnt. Ich denke wir machen Fortschritte.“

McCoy lehnte sich wieder in seinen Sessel zurück, faltete seine Hände zusammen und beobachtete Raphael mit einem durchdringenden Blick. Er gab sich Mühe, sich zusammenzureißen. Der Junge durfte keinen weiteren Verdacht schöpfen. Noch hatte er sein Vertrauen nicht vollends verspielt. Er musste behutsamer mit ihm umgehen.

Raphael rieb sich seine müden Augen. Er war fertig. Er konnte nicht mehr. Eigentlich wollte er, dass die Visionen seines Vaters verschwinden und er wieder schlafen kann. Und jetzt tauchten nur noch weitere Puzzleteile auf. Bilder, die im Keller seines Bewusstseins schlummerten und mit tosendem Gebrüll wiedererwacht waren.

 „Ich möchte jetzt nicht mehr, Doc. Ich brauche eine Pause. Wirklich. Ich komme nächste Woche wieder.“

McCoy stand auf und ging zu seinem Schreibtisch. Er öffnete die oberste Schublade und entnahm eine kleine Dose, die er Raphael zuwarf. Er fing sie ungeschickt und studierte das Etikett. Aber die Bezeichnung sagte ihm nichts.

„Nimm noch zwei davon. Die werden deinem Gedächtnis weiter auf die Sprünge helfen.“

Raphael schüttelte vehement den Kopf und stellte die Dose mit den Pillen auf den Tisch.

„Ich habe kein gutes Gefühl dabei, Doc. Können wir in der nächsten Sitzung weiter machen?“

Jetzt riss McCoys bereits strapazierter Geduldsfaden. Seine aufgesetzte Miene verfinsterte sich und schleuderte Raphael puren Hass entgegen. Er biss sich auf die Unterlippe und ging mit schweren und schnellen Schritten auf Raphael zu. Er grabschte sich die Dose mit den Pillen wieder vom Tisch und, ehe Raphael im Entferntesten reagieren konnte, schlug McCoy ihn mit der Rückseite seiner flachen Hand ins Gesicht. McCoy war alles andere als ein kleiner, schlaksiger Typ. Im Gegenteil. Er war groß und erstaunlich durchtrainiert. Raphael blickte McCoy irritiert und hilfesuchend an. Aber dieser öffnete lediglich die Dose und zeigte keine Spur von Mitleid.

„Schluck die verdammten Pillen du kleiner Hosenscheißer! Ich muss wissen, was in deinem unterbelichteten Hirn los ist! Mach schon!“

Raphael hielt sich seine Wange, die noch wie Feuer brannte. Er wollte dort weg. Und zwar schnell. Als McCoy sah, dass von Raphael nicht die gewünschte Reaktion kam, spurtete er wieder zu seinem Schreibtisch. Raphael wollte die Gelegenheit nutzen und eilte zur Tür, doch ehe er den Knauf zu fassen bekam, hörte er hinter sich ein verdächtiges Klicken, dass tödliche Folgen hätte haben können, wenn Raphael nicht augenblicklich stehengeblieben wäre.

„Hinsetzen und zwar sofort.“, warnte ihn McCoy.

Raphael drehte sich langsam um. McCoy stand vor seinem Schreibtisch und zielte mit einer Pistole auf ihn. Er konnte nicht fassen, was sich dort auf einmal abspielte. Es erschien ihm alles surreal, als ob er aus der Hypnose nicht mehr richtig aufgewacht wäre und er sich nun in einem Alptraum befinden musste.

„Dr. McCoy, was ist hier los? Ich verstehe nicht…“

McCoy deutete mit Nachdruck auf das Sofa. Raphael kam seiner Aufforderung zögernd und vorsichtig nach. McCoy setzte sich wieder ihm gegenüber, die Waffe unentwegt auf Raphael gerichtet.

 „Wer sind sie?“, fragte Raphael.

„Mein Name ist natürlich nicht „McCoy“ und ich bin auch kein Psychiater. Ich habe zusammen mit deinem Vater gedient. Ich war bei seinem letzten Einsatz dabei. Nur hatte dieser Einsatz nicht das geringste mit der Army zu tun.

Ich war mit deinem Vater und deiner Mutter in Antwerpen, am 15. Februar 2003. Du warst damals vier Jahre alt und wurdest in der Zeit bei deinem Onkel untergebracht. Sagt dir dieses Datum irgendetwas?“

Wieder keine Reaktion von Raphael. McCoy schien ein wenig enttäuscht, so als würde er sich selbst gerade als eine weltbekannte Prominenz zu erkennen geben und der erwartete Applaus ausbleiben.  

„Wir waren diejenigen, die das Antwerpener Diamantenzentrum überfallen und eine Beute von 400 Millionen Euro gemacht hatten. Fünf weitere Mitglieder unseres Teams wurde gefasst. Wir übrigen drei entkamen und waren dafür verantwortlich, die Anteile der anderen sicher aufzubewahren. Aber dein Vater hatte andere Pläne.“

McCoy kauerte nun mehr wie ein Raubtier in seinem Sessel, das bereit war sein Opfer anzuspringen, um ihm die Kehle aufzureißen. Brennender Hass wurde auf Raphael gebündelt. Ein Hass, der seit Jahren in ihm keimte und nun endlich sein Ventil gefunden hatte. Raphael war in diesem Augenblick sicher, dass dieser verrückte Mann ihn früher oder später umbringen würde, nachdem er bekommen hatte, was auch immer er von ihm wollte.

„Dein Vater und auch deine Mutter waren auf einem ganz anderen Trip. Ich persönlich denke ja, dass die Einsätze deinen Vater über die Jahre einfach das Gehirn zermartert haben. Und deine Mutter… Wusstest du, dass sie sich im Kongo kennengelernt hatten? Deine Mutter arbeitete dort für Ärzte ohne Grenzen als Krankenpflegerin. Romantisch, nicht wahr?“

McCoy lächelte süffisant und amüsierte sich darüber, dass Raphaels Onkel ihm diese Tatsache offenbar verschwiegen hatte. Raphael wusste zwar, dass seine Mutter als Krankenpflegerin gearbeitet hatte. Aber diese ganze Kongo-Geschichte war ihm völlig neu. Wieso hatte sein Onkel es ihm verschwiegen?

Raphael ballte seine Fäuste und hätte McCoy für seine Art am liebsten direkt angesprungen und endlos auf seine herablassende Visage eingeprügelt. Doch McCoy konnte sein Vorhaben in seinem Gesicht ablesen, weshalb er demonstrativ die Waffe erhob und abratend den Kopf schüttelte.

„Keine Angst, ich bin nicht hier, um Dir eine hübsche Gutenachtgeschichte zu erzählen. Ich will das finden, womit deine Eltern sich erhofft hatten einen großen humanitären Beitrag zu leisten. Diamanten zu stehlen, mit denen Kriege finanziert werden. Die hübschen Dinger, die Rapper gerne an ihren dicken goldenen Ringen tragen oder als Füllung für ihre Zähne verwenden. Die Dinger, die sich junge Models um den Hals hängen, die das Vorzeigemädchen von alten, reichen, high-society Säcken spielen. Diese Diamanten, für die hunderttausende Menschen litten und starben, haben deine Eltern gestohlen. Zusammen mit mir und noch ein paar Leuten, die sie rekrutiert hatten. Sie hatten ihrer Meinung nach auch nicht wirklich etwas „gestohlen“. Denn es waren allesamt Blutdiamanten, ein beliebtes Zahlungsmittel für War Lords in Angola, Liberia, im Kongo und entlang der gesamten gottverdammten Elfenbeinküste.

Zuerst war ich ebenso idealistisch, wie sie. Aber 400 Millionen. Hätten wir nur einen Bruchteil unter uns aufgeteilt, wäre immer noch genug geblieben, um wer weiß was zu finanzieren. Aber deine idiotischen Eltern blieben einfach stur. Und jetzt sind sie tot.

Ich rate dir, nicht ebenfalls auf stur zu schalten, denn sonst kannst du ihn bald folgen und du brauchst dir deinen toten Daddy nicht mehr nur einzubilden. Deine Eltern hatten die großartige Idee Westafrika endlich von Bürgerkriegen zu befreien. Meiner Meinung nach haben sie zu lange mit den Menschen dort in ihren Dörfern herumgehangen. Sie haben mit ihnen Voodoo-Tänzchen aufgeführt, sind wie Rumpelstilzchen um Feuer herumgesprungen, haben Hähne geschlachtet, Blut getrunken und lauter weiteren kranken Scheiß mitgemacht.“

McCoy schüttelte resigniert den Kopf, als er merkte, dass Raphael anscheinend gar nichts von seinen Eltern wusste. Sein Onkel hatte ihn gut von dem ganzen Irrsinn abgeschirmt. McCoy stand auf, nahm seinen Mantel vom Ständer in der Ecke und öffnete die Tür zur Praxis. Mit der Waffe in der Hand deutete er Raphael ihm zu folgen.

„Wir beide machen jetzt einen kleinen Ausflug. Du wirst mich ins Zimmer 204 bringen. Wenn du auf irgendwelche dummen Gedanken kommst, schieß ich dir durch den Rücken direkt in dein Herz. Glaube mir, Junge. Es ist mir scheißegal, ob du lebst oder stirbst. Wenn ich die Diamanten habe, kannst du abhauen. Mein Partner und ich werden sowieso wieder untertauchen. Uns findet niemand. Wir sind Profis. Aber wenn du es uns schwer machst und auf irgendwelche dummen Ideen kommst… Lass es nicht drauf ankommen!“

Raphael sah keinen anderen Ausweg, als McCoy zu gehorchen. Doch als er den Raum verließ spürte er einen Schatten in der Dunkelheit, der sie beobachtete. Raphael war sich in diesem Moment sicher, dass er schon die ganze Zeit über dort gewesen sein musste.

Er machte keine Anstalten wegzulaufen oder laut um Hilfe zu schreien. McCoy hatte im Aufzug auf dem Weg nach unten einen Schalldämpfer an den Schaft der Pistole geschraubt. Vor dem Gebäude parkte ein grauer Mercedes. McCoy öffnete die Tür und er und Raphael nahmen auf dem Rücksitz Platz. Außer ihnen war nur der Fahrer im Wagen. Ein Mann Mitte fünfzig. Er hatte kurze Haare, trug eine Brille und war legere gekleidet. Ein recht unauffälliger Jedermann. Raphael sah sein Gesicht kurz im Rückspiegel. Für einen kurzen Augenblick erinnerte er ihn an seinen alten Mathelehrer. Er war es aber nicht. McCoy drückte ihm einen kleinen Zettel in die Hand. Der Fahrer blickte kurz drauf und fuhr dann los.

„Wer sind sie?“, fragte Raphael und versuchte so ruhig wie möglich zu bleiben, denn er zitterte vor Angst. Er verbarg es indem er seine Hände zwischen seine Oberschenkel presste.

„Wir sind alte Arbeitskollegen deiner Eltern. Wir sind seit Jahren auf der Suche nach den Diamanten. Wir behalten jeden im Auge, der auch nur im Entferntesten etwas wissen könnte. Und somit haben wir auch dich angezapft. Wir habe Kameras installiert und deine Ein- und Ausgangsdaten überwacht.“

Raphael wurde kurz schwarz vor Augen bei der Vorstellung nicht wissend Opfer eines solchen Eingriffs in seine Privatsphäre zu sein. McCoy fiel dies auf.

„Wir interessieren uns allerdings einen feuchten Mist für die intimen Details deines langweiligen Alltags. Aber unsere Suchalgorithmen haben Alarm ausgelöst, als du anfingst nach einem Psychiater zu suchen. Da schalteten wir uns dazwischen, entwickelten „McCoy“ und seine Praxis und haben dich quasi hier her gelotst, um Informationen von dir zu bekommen, ohne dabei über Leichen steigen zu müssen… in diesem Fall über deine.“

Er warf Raphael einen drohenden Blick zu und wollte wahrscheinlich sichergehen, dass Raphael verstanden hatte. Aber für Raphael waren die Worte mehr als eindeutig.

„Jetzt wissen wir, dass es noch ein weiteres Versteck gibt. Zimmer 204 im Ace Hotel an der neunundzwanzigsten. Und genau da fahren wir jetzt hin.“

Raphael blickte ihn wieder fragend an. Woher wusste McCoy, in welchem Hotel das Zimmer zu finden war? McCoy lächelte süffisant.

„Als du das Zimmer 204 erwähnt hattest, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich selbst hatte deinem Dad damals den Tipp gegeben zusammen mit deiner Mom den Big Apple zu besuchen, um mal wieder abzuschalten. Ich empfahl ihm das ACE Hotel, das ein paar sehr hübsche Suiten hat. Meine Eltern hatten schon damals ihre Flitterwochen dort verbracht.“

Sie fuhren durch die New Yorker Nacht. Der falsche McCoy hatte seine falsche Praxis in Yorkville an der Upper East Side. Sie würden etwa eine halbe Stunde brauchen. Es war eine schweigsame halbe Stunde. Aber in Raphaels Kopf überschlugen sich die Gedanken. Es spielten sich die verschiedensten Szenarien ab, wie er seinen Entführern entkommen könnte. Aber keins erschien ihm wirklich mit Erfolg gekrönt zu sein. Das hier waren Profis.

Der Mercedes parkte in einer Seitenstraße auf der Rückseite des Hotels. Der Fahrer ging voran und verschwand um die Ecke zum Haupteingang. Raphael und McCoy blieben zurück und warteten, bis er nach fünf Minuten den Seiteneingang des Hotels öffnete. Dann gingen sie hinein.

Sie nahmen das Treppenhaus, umgingen somit den Trubel in der Lobby und vermieden es außerdem ungewollte Aufmerksamkeit im Aufzug auf sich zu lenken. McCoy ging nicht davon aus, dass Raphael, der durch die Pillen immer noch leicht benommen war, Ärger machen würde. Wenn doch, würde er ihm zwei, drei Kugeln durch die Brust jagen und ehe jemand merken würde, was geschehen war, hätten sie sich aus dem Staub gemacht. Sie würden an einem anderen Tag zurückkommen und das Zimmer auf den Kopf stellen. Raphael war sich seiner Situation durchaus bewusst. Er wusste, dass diese beiden Gentlemen einiges auf dem Kasten hatten. Denn sonst hätten sie diese ganze Sache wohl kaum einfädeln, geschweige denn einen Millionencoup landen können.

Doch während sie das Treppenhaus hinaufstiegen, fühlte sich Raphael immer noch verfolgt. Ein stummer, lautloser Schatten. Ob es nun Einbildung war oder nicht. Ein Gefühl sagte ihm, dass er nicht da war, um ihm etwas anzutun. Nein, ganz im Gegenteil. Die Gegenwart dieses Geistes gab ihm ein Gefühl von Sicherheit. Sein Vater war da, um auf ihn aufzupassen. Und er wollte sich gar nicht erst vorstellen, was die beiden Gangster mit ihm anstellen, wenn sie erstmal bekommen hatten, wonach sie suchten.

Sie waren in der 13. Etage angekommen, dort wo sich Zimmer 204 nach Informationen des Fahrers, die er der Website des Hotels entnommen hatte, befinden musste. Es war eine von zwei großen Suites, die die gesamte Etage einnahmen. Sie gingen den Flur hinunter, der mit rotem Teppich ausgelegt war.

„Ich will jetzt keinen Mucks von dir hören, Junge. Hast du verstanden?!“

Sie standen vor der Zimmertür, auf der „204“ in goldenen Lettern angebracht war. McCoy drückte Raphael mit aller Gewalt gegen die Wand. Raphael war irritiert, was diese übertriebene Härte auf einmal sollte. Er sollte es jeden Moment herausfinden.

Der Fahrer klopfte an die Tür und meldete sich als Zimmerservice. Von der anderen Seite näherten sich Schritte und die Tür öffnete sich. Ein junger Mann steckte freundlich seinen Kopf aus dem Türspalt heraus. Dann ein Geräusch, wie ein gedämpfter Peitschenschlag. Blut spritzte Raphael ins Gesicht und auf der Stirn des Mannes zeichnete sich eine blutige, offene Eintrittswunde ab. Der Mann war augenblicklich tot und fiel vornüber. McCoy hatte ihn erschossen. Gleichzeitig hielt er Raphael den Mund zu, um seinen Schrei verstummen zu lassen. Er blickte Raphael warnend an und deutete ihm, sich zusammenzureißen. Der Fahrer zog den Mann in das Zimmer, McCoy drückte Raphael hinein. Aus der gegenüberliegenden Seite des geräumigen Wohnzimmers drang die Stimme einer jungen Frau im Bademantel. Ihre Haare waren noch feucht. Sie musste gerade aus der Dusche gekommen sein.

„Liebling, wer ist an der…“

Sie konnte den Satz nicht beenden. Sie starb auf der Stelle auf die selbe Art, wie ihr Ehemann. Eine Kugel zwischen ihre Augen. Raphael unterdrückte einen Schrei, biss sich auf die Faust und wandte sein Gesicht ab. Er presste die Augen zusammen und wünschte sich beinahe, dass McCoy auch ihn erschießen würde, damit dieser Alptraum endlich ein Ende hatte.

McCoy vergewisserte sich, dass niemand im Korridor etwas mitbekommen hatte. Dann schloss er die Tür.

„So, mein Junge. Jetzt bist du an der Reihe. Wo sind die Diamanten?“

Er griff in seine Manteltasche und nahm wieder die Dose mit den Pillen heraus. Aber diesmal waren sie nicht nötig. Sobald Raphael seine Augen wieder geöffnet hatte, sich in dem Raum umsah, versuchte die toten, auf dem Boden liegenden Körper zu ignorieren, wusste er, wo er war. Sein Blick blieb am Kamin haften und dabei riss ihn plötzlich ein Sog aus Erinnerungen in eine Vergangenheit, die nicht die seine war. Die Welt um ihn herum verschwamm hinter einem Schleier und er fiel in die Dunkelheit und durch die Zeit. Binnen Sekundenbruchteilen fügten sich in seinem Kopf Puzzleteile von Erlebnissen zusammen. Es waren die seines Vaters.

Er sang im Lichtschein flackernder Kerzen in einer fremden Sprache und er war umgeben von toten, aufgeschnittenen Tieren, wie Hähnen, Ratten und Mardern. An seinen Händen klebte Blut. Er sah Bilder eines Dorfes und halbnackte Menschen tanzten um ein Feuer herum und trugen Masken. Das Schlagen von Trommeln durchzuckte die Nacht. Seine Eltern gehörten dem Stamm eines Dorfes an. Sie waren mit ihrem Kult und ihrer Religion vertraut. Sie kannten seine schwarze Magie. Sie sprachen mit den Geistern, handelten mit Teufeln und verkauften ihre Seelen, um ihrem Volk etwas von dem zurückzugeben, was man ihnen entrissen hatte. Um das, was ihrem Volk angetan wurde, wiedergutzumachen. Sein Vater war ein Voodoo Priester.

„Hey, Junge!“, schrie McCoy und marschierte zu Raphael, um den blassen, apathischen Jungen mit einer weit ausgeholten Backpfeife wieder zurück in die Gegenwart zu holen. McCoy dachte, er stünde unter Schock. Das Raphael gerade noch in einer ganz anderen Dimension steckte, konnte er nicht ahnen.

Raphael sackte auf die Knie. Er brauchte einen Moment, um zu erkennen, wo er war und um wieder einen einigermaßen klaren Gedanken zu fassen. McCoy redete auf ihn ein, während der schweigsame Fahrer das Zimmer bereits nach den Diamanten absuchte. Doch McCoy wusste, dass es vergeblich war. Raphaels Eltern waren keine Idioten. Sie hätten ein Versteck gewählt, dass absolut niemand zufällig entdecken würde.

Raphael wandte seinen Blick wieder zum Kamin, der natürlich schon lange Zeit nicht mehr als solcher verwendet wird. Es war nunmehr eine schöne Deko, musste aber zu seiner Zeit voll funktionsfähig gewesen sein. Er war ein Überbleibsel der 60er Jahre mit grün-schwarzen Kacheln. Und daneben sah er ihn. Seinen Vater. Seine aschfahle Haut hing ihm in labbrigen Fetzen vom Gesicht und schwarzes, verfaulendes Fleisch quirlte aus ihm hervor. Immer noch troff aus seinen Wunden Blut. Aber der Rest an Augäpfeln, die in den dunklen Höhlen seines Schädels steckten… sie lächelten. Und Raphael lächelte zurück. Wohlwissend, dass sein Vater für die beiden Männer unsichtbar blieb.

„Ist es der verdammte Kamin? Jetzt sag endlich was! Spuck es aus!“

McCoy packte Raphael am Saum seines Shirts, zog ihn auf die Beine und schlug ihm ins Gesicht. Dann stieß er ihn von sich weg und machte sich daran die Dose mit den Pillen zu öffnen. Aber Raphael ließ es nicht so weit kommen, dass er ihm wieder Drogen in die Kehle stopfte. Er gab ihm, wonach er gierte und deutete mit ausgestreckten Arm zum Kamin.

„Im Kamin. Die hinteren Fliesen. Die zweite von Links anheben und ihr findet einen eingebetteten Griff, mit dem ihr die ganze Fläche anheben könnt, wie eine Luke. Darunter findet ihr die Taschen mit den Diamanten.“

Raphael sagte es mit einer stoischen Ruhe, in einer Selbstverständlichkeit, die McCoy zuerst misstrauisch machte. Doch er war zu aufgeregt, seinem Ziel so nahe zu sein, dass er sich um das plötzlich so seltsame Verhalten des Jungen keine weiteren Gedanken mehr machte.

McCoy drückte seinem Komplizen die Waffe in die Hand, um sich selbst ans Werk zu machen. Er nahm die Holzwiege heraus und entfernte die Bodenplatte, um an die Fliesen zu gelangen. Die hintere Fliese ließ sich anheben, wie Raphael es gesagt hatte. Er legte einen Eingriff frei und konnte somit die versteckte Klappe anheben und den Raum darunter freilegen. Und dort lagen sie. Seit fünfzehn Jahren. McCoy schluckte schwer und konnte es nicht fassen, dass er sie endlich gefunden hatte. Hektisch öffnete er eine der Taschen und zum Vorschein kamen dutzende, kleine Päckchen. Er öffnete eins mit seinem Taschenmesser und dort waren sie. Die funkelnden, kleinen Steine, die so viel Böses und Leid in der Welt in Bewegung gesetzt hatten. Und damit war es längst nicht vorbei. Das würde McCoy in wenigen Augenblicken am eigenen Leib und an der eigenen Seele erfahren müssen.

McCoy machte sich daran, die Taschen mit den Diamanten aus der versteckten Kammer heraus zu heben. Der Fahrer hielt in der Zeit Raphael mit der Waffe in Schach. Aber Raphael beachtete ihn gar nicht. Sein Blick blieb auf den Geist seines Vaters gerichtet. Er hatte nun keine Angst mehr. Er war glücklich, dass er bei ihm war. Sein Vater lächelte und ging auf ihn zu, bis er direkt vor ihm stand.

„Sie werden dich jeden Moment erschießen.“, sagte er.

„Ich weiß.“, sagte Raphael lakonisch.

McCoy und sein Komplize sahen sich fragend einander an. McCoy winkte aber einfach ab. Die Drogen würden den Jungen gerade wahrscheinlich zu schaffen machen.

„Sie haben auch mich, deine Mutter und deinen Onkel getötet.“

„Ich weiß.“, sagte Raphael.

Sein Vater hatte ihm seinen Verdacht bestätigt. Seit McCoy sich als das entlarvt hatte, was er in Wirklichkeit war, hatte Raphael sich die grausame Wahrheit selbst zusammengereimt. Sie waren mörderische Psychopathen und hatten seine Familie getötet, um Antworten zu finden. Ihre Gier hatte sie zu Bestien gemacht. Diese Männer waren weder Mensch noch Tier. Sie waren Teufel, die nur durch dunkle Magie bezwungen werden konnten.

„Ich habe mich auf diesen Moment vorbereitet.“, sagte sein Vater.

„Was wirst du tun?“

„Ich? Wir! Vertraust du mir?“

„Ja.“

Sein Vater lächelte durch seine verrotteten Zähne hindurch.

„Hab keine Angst. Was jetzt passiert, wird dir keinen Schaden zufügen, nur sehr starke Schmerzen.“

Raphael gab ihm entschlossen seine Zustimmung. Er war nicht von Furcht, sondern vom blanken Zorn durchdrungen. Jeder Schmerz würde ihn nur stärken.

Eine Aura pulsierte um den Geist seines Vaters herum und schimmerte in einem unnatürlichem Licht. Er murmelte Worte in der Sprache, die Raphael nicht verstand. Sein Vater ging auf ihn zu. Raphael rührte sich nicht von der Stelle. Die Gestalt seines Vaters war pure Energie, die sich nun mit ihm verband. Sie verschmolzen miteinander. Sie wurden eins.

„Ähm, Boss? Der Junge fängt an komische Sachen zu machen.“

McCoy hatte die gesamte Beute mittlerweile herausgeholt. Auf die Bemerkung seines Freundes hin blickte er hinüber zu Raphael und sah, wie die Pupillen des Jungen plötzlich verschwanden und eine leblose grau-weiße Masse hinterließen. Seine Haut verwandelte sich in vermodertes Fleisch und begann zu reißen und zu faulen. Ein Gestank ging von ihm aus, als stünden sie in einem geschlossenen Container voller Tierkadaver.

„Mein Gott, erschieß dieses Ding!“, schrie McCoy und hielt sich die Hand vor Mund und Nase, um sich von dem widerwärtigen Geruch abzuschirmen.

Der Fahrer schoss einmal, zweimal. Die Kugeln versickerten in seinem Brustkorb. Der Fahrer schoss wieder und die Kugeln trafen ihn direkt in die Stirn. Raphael sollte tot umfallen, aber er fing nur an zu lächeln und schritt auf die beiden Männer zu. Der Fahrer feuerte das ganze Magazin auf Raphael ab. Aber er spürte die Kugeln gar nicht. Er war ein Untoter und gierte nach ihrem Fleisch und ihrer Seele. Für sie gab es kein Entrinnen mehr.

 

Drei Monate später.

 

„Mrs. Sanga, sie sollten sich das hier vielleicht einmal ansehen.“

Mrs. Sanga war Direktorin der westafrikanischen Wirtschaftskommission der UN. Sie war mitten in den Vorbereitungen für ein wichtiges Meeting mit dem Außenminister, als ihr Sekretär in ihr Büro stürzte. Dimitri würde so etwas nicht tun, wenn es sich nicht um einen Notfall handeln würde. Mrs. Sanga legte ihre Dokumente beiseite und folgte ihrem Sekretär ins Vorzimmer ihres Büros. Hoffentlich nicht schon wieder eine Absage.

Dimitri zeigte ohne ein weiteres Wort auf den Bildschirm auf seinem Schreibtisch.

„Haben sie das bereits überprüft? Das kann einfach nicht stimmen.“, hauchte Mrs. Sanga und  war fassungslos über das, was sie dort gerade vor Augen hatte.

„Ich habe bereits mit den Banken gesprochen und alles doppelt und dreifach bestätigen lassen. Wir haben eine Spende von 416 Millionen Euro erhalten.“

Mrs. Sanga lachte und weinte vor Freude. Dimitri stieg mit ein und sie fielen sich in die Arme.

 

In der Nähe eines Dorfes an der Atakora-Gebirgskette in Ghana.

 

„Raphael? Kommst du? Das Abendessen ist fertig. Wir arbeiten morgen weiter.“

Tu-Bari ging hinüber zu ihm und legte sanft ihre Hand auf seine Schulter. Er lächelte sie an und nickte. Dann legte er seinen Werkzeuggürtel ab und folgte ihr zum Haus, wo die anderen Arbeiterinnen und Arbeiter gemeinsam mit ihnen zu Abend essen würden.

Am Ende der Woche würde die neue Schule fertig sein. Und viele weitere, dringend benötigte Gebäude würden ihr folgen. Es würde alles besser werden. Da war er sich sicher.

Bevor er mit Tu-Bari ins Haus zu den anderen ging, spürte er einen kalten Hauch, der seinen Nacken streifte. Er drehte sich erwartungsvoll um und blickte nochmal in die Abenddämmerung zurück. Die orangerote Sonne verschwand hinter dem Berg. Es war nur der Wind. Tu-Bari zog Raphael hinein. Er folgte ihr.

 

ENDE

 

  

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