DIE SANTA BARBARA MINDMACHINES

Es geht weiter mit dem zweiten und letzten Teil der SANTA BARBARA MINDMACHINES: Die Psychiaterin Monica Gates wurde von ihrem alten Mentor um Rat gebeten. Der an Verfolgungswahn leidende Patient Robert VanHouten, behauptete eine bewusstseinsverändernde App würde in Santa Barbara kursieren und die Menschen dazu zu bringen, schreckliche Dinge zu tun. Monica musste am eigenen Leib erfahren, dass etwas in der paradiesischen Kleinstadt überhaupt nicht stimmte. Nun will sie zusammen mit VanHouten den Dingen auf den Grund gehen…  

TEIL 2

 

Foothill Road, Santa Barbara

10:52 Uhr.

“Wohin fahren sie?”, fragte VanHouten.

„Zur Polizei. Wohin sonst?!“, antwortete Monica.

Sie hatte ihn angeschrien und ihre Hände zitterten. Monica versuchte durchzuatmen und sich zu beruhigen. Aber sie wollte nicht stehenbleiben. Immer wieder blickte sie in den Rückspiegel, um sicherzugehen, dass sie nicht von mordlüsternden Krankenpflegern verfolgt werden.

„Und was, wenn die Cops auch bereits infiziert sind?“, fragte VanHouten.

„Infiziert wovon? Von einem Spiel?! Ich kann das einfach nicht glauben. Es muss eine andere Erklärung dafür geben. Vielleicht standen sie unter Drogen, haben sich etwas eingeworfen. Vielleicht hat es ihnen jemand in der Klinik verabreicht. Das eine App damit zu tun hat, will ich einfach nicht akzeptieren!“

Sie glaubte ihren eigenen Worten selbst nicht und auch VanHouten spürte, dass sie verzweifelt versuchte eine rationale Erklärung zu finden. Eine, die ausschloss, dass eine „Killer-App“ im sonnigen Santa Barbara ihre Kreise zieht.

„Und was ist mit meinen Kindern? Geht es ihnen wirklich gut, oder haben sie mir da drin gerade nur Müll erzählt, um mich ruhig zu halten?“

Monica schluckte schwer und ihr schlechtes Gewisses stach ihr geradewegs durch den Nacken. Aber sie wollte nicht mit der Wahrheit rausrücken, denn sie brauchte jetzt keinen hysterischen VanHouten auf dem Beifahrersitz.

„Ja, sie sind in Sicherheit. Keine Sorge. Wir fahren zur Polizei und dann kümmern wir uns um ihre Familie. Bis dahin beruhigen sie sich bitte. Haben sie verstanden?! Beruhigen sie sich!“

Sie schrie die letzten Worte und merkte schnell, dass es nicht VanHouten war, der sich beruhigen musste, sondern sie selbst. VanHouten runzelte die Stirn und beäugte sie mit skeptischen Blick. Neben das Schuldgefühl einer Lügnerin, mischte sich jetzt auch noch das Schamgefühl des offenen Kontrollverlusts. Peinlich berührt von dieser Erkenntnis bog sie bereits auf den Parkplatz des Goleta Police Departments ein.

 

„Guten Tag, Ma’am. Wie können wir behilflich sein?“, fragte der junge Polizist am Empfang.

„Ich möchte einen Vorfall melden. Mein Name ist Dr. Monica Gates und ich komme mit diesem Mann gerade aus dem St. Johns Hospital. Wir wurden Zeugen eines Mordes, wir wurden angegriffen und man hat versucht uns zu erschießen. Wir konnten fliehen. Die Angreifer gehörten zum Sicherheitspersonal. Es könnte sein, dass noch mehr in diese Sache verwickelt sind.“

Der Mann lächelte und nickte, dann verschwand er im hinteren Bürobereich. Monica und VanHouten tauschten skeptisch Blicke. Der junge Officer kam zurück.

„Wir haben bereits Meldung erhalten und Einheiten sind dort hin unterwegs. Kommen sie bitte mit.“

Der Officer öffnete ihnen die Tür am Empfang und deutete ihnen ihm zu folgen. Da zog VanHouten Monica zurück. Sie blickte ihn irritiert an und er zeigte stumm zum Platz des Officers hinter dem Empfang. Dort lag ein Smartphone, noch eingeschaltet. Etwas Buntes zuckte über den Bildschirm.

„Kommen sie bitte.“, rief der Officer ungeduldig.

Monica zögerte und beide wussten, dass etwas nicht stimmte. Der Mann benahm sich mehr als seltsam. Das Lächeln des Officers erstarb allmählich und mit der Hand an seiner Waffe ging er jetzt auf sie zu.

„Sie kommen jetzt mit, haben Sie verstanden?“

VanHouten trat zwischen Monica und dem Polizisten, machte ein überraschtes Gesicht und deutete auf die Ecke des Raums.

„Mein Gott, was machen diese Kerle denn dort drüben?!“, schrie er übertreiben empört.

Als sich der Officer irritiert mit dem Gesicht zur anderen Seite des Raums wandte, donnerte VanHouten ihm die Faust unter das Kinn, griff Monicas Handgelenk und riss sie mit sich durch die Tür zurück zum Wagen.

 

Die Reifen hinterließen Spuren auf dem Asphalt, als Monica mit dem SUV vom Parkplatz raste. Im Rückspiegel sah sie, wie halbnackte Polizisten und Polizistinnen mit Partyhütchen und Luftschlangen behangen durch die Eingangstür stürmten und mit ihren Waffen auf sie zielten und dann schossen. Die Heckscheibe zersprang in tausend kleine Splitter und Monica und VanHouten pressten sich schutzsuchend in die Sitze.

Monica wusste nicht wohin, aber sie fuhr so schnell sie konnte. Erst nachdem sie mit quietschenden Reifen ein paar Haken um die Häuser geschlagen hatte, forderte VanHouten sie auf, wieder langsamer zu fahren. Monica entschied sich eine Abfahrt zu nehmen und parkte im Schatten unter einer Brücke. Dann ließ sie ihren Kopf auf das Lenkrad sacken und weinte.

„Was sollen wir bloß tun? Ist denn jeder in dieser Stadt verrückt geworden?“

„Sie sind der Doc. Sagen sie es mir. Was ist hier los? Wo können wir noch hin und wieweit hat sich diese Appidemie bereits ausgebreitet?“

Monica lachte kurz verzweifelt auf und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Sie hatte jetzt all ihre Zweifel endgültig verloren und musste VanHoutens Geschichte glauben.

Appidemie?! Na gut. Ich weiß selbst nicht wie ich es gerade besser bezeichnen könnte. Ich habe noch nie von einem funktionierendem Verfahren gehört, dass eine derart starke Verhaltensänderung hervorrufen könnte. Wenn es wirklich mit diesem Spiel zusammenhängt, dann erinnert es mich eher an die Funktionsweise einer Mindmachine.“

„Was ist eine Mindmachine?“

„In den 1940er Jahren entwickelte der Neurophysiologe und Roboterforscher William Grey Water dieses Gerät, mit dem in bestimmten Frequenzbereichen akustische und visuelle Signale ausgegeben wurden. Es sollte eigentlich eine Art mentales Training darstellen, wobei unterschiedliche Frequenzbänder verschiedene Effekte erzeugen, wie erhöhtes Erinnerungsvermögen, bessere Konzentration und gesteigerte Intelligenzleistung. Aber nichts davon konnte je nachgewiesen werden. Eher hatten diese Apparate Anfälle bei Epileptikern ausgelöst. Den letzten Boom gab es noch Anfang der neunziger Jahre. Das war es aber auch schon.“  

VanHouten kratzte sich am Kopf.

„Aber nach all dem was ich… was sie heute gesehen haben… glauben sie nicht, dass vielleicht jemand diese Maschinen weiterentwickelt hat?“

„Aber zu welchem Zweck?“

„Brauchen wir immer einen bestimmten Zweck um idiotische Dinge zu tun. Sie sind der Doktor, aber was geschieht denn, wenn jemand durchdreht, der bei der Waffenentwicklung ganz oben die Finger mit im Spiel hat? In einem Labor für Killerviren arbeitet? Was, wenn dieser Typ mal einen schlechten Tag hat, seine Frau ihn verlassen hat oder sein verdammter Hund gestorben ist und sich denkt: Dann soll doch die ganze Welt vor die Hunde gehen! Ich meine, ist das denn so abwegig?“

Monica atmete aus und versuchte die wirren Bilder in ihrem Kopf zu ordnen. Solche Gedanken und Horrorszenarien kannte sie en Masse von einigen ihrer Patienten. Verschwörungstheoretiker und Phobiker aller Art hatten ihr bereits die ausgefallensten Geschichten erzählt. Aber so sehr sie versuchte eine einfache, rationale Erklärung für das Geschehene zu finden, desto wahrscheinlicher erschien ihr VanHoutens Theorie. Nur wo sollte sie jetzt noch hin? Wo konnte sie Hilfe finden? Wer war noch nicht infiziert und wie konnten sie dort hingelangen?

„Wir werden kaum die einzigen Zeugen sein. Die Polizei, die Regierung… Irgendjemand muss bescheid wissen. Ich werde jetzt mein Handy benutzen und es verdammt nochmal herausfinden!“

Mr. VanHouten blickte gedankenverloren auf das Armaturenbrett.

„Mrs. Gates, ich möchte jetzt gerne zu meinen Kindern. Sie haben selbst gesehen, dass auch Krankenhäuser und Tagesstädten keine sicheren Einrichtungen mehr sind. Lassen sie und uns bitte meine Kinder holen und dann sehen wir weiter.“

Monica biss sich auf die Unterlippe und kniff die Augen zusammen. Sie musste VanHouten die Wahrheit sagen.

 

Cathedral Oaks Road,

12:23 Uhr.

„Es tut mir leid. Ich konnte ihnen nicht sagen, dass ihre Kinder wieder bei Ihrer Frau sind und sie merken hoffentlich gerade selbst, warum nicht.“

Als sie ihm die Wahrheit gesagt hatte, schrie VanHouten Monica an, sie solle sofort anzuhalten. Dann stieg er aus dem Wagen, ging um ihn herum, zog Monica heraus und setzte sich selbst ans Steuer. Er startete den Wagen und fuhr los.

„VanHouten, kommen sie zurück!“, schrie Monica und wurde vom Staub umhüllt, den der davonrasende SUV aufgewirbelt hatte.

 

San Fernando Drive,

12:45 Uhr.

VanHouten hatte den Wagen drei Häuser weiter geparkt. Er schlich sich durch den Garten zur Veranda. Die Partygäste des Vortags waren nicht mehr da und hatten ein rechts beeindruckendes Schlachtfeld hinterlassen. Immer wieder drangen Schreie und laute Rufe aus der Nachbarschaft. Auf dem Weg zum Haus war VanHouten an vielen befallenen Spielern vorbeigefahren, die verrückte, perverse und gefährliche Dinge taten. Er war an Menschen vorbeigefahren, die reglos auf dem Boden lagen und ihre Taten nicht überlebt hatten.

VanHouten nahm den Reserveschlüssel, den sie unter einer Blumenvase versteckt hatten, öffnete vorsichtig die Hintertür und ging hinein. Nichts war zu hören. Er schlich sich durch die Küche und ging in den Hausflur. Ein weiteres Schlachtfeld. Der reinste Vandalismus. VanHouten erkannte sein Zuhause kaum noch wieder. Zumindest keine Leichen. Er betete, dass seine Frau und Kinder lebten und er es schaffen würde sie aus diesem alptraumhaften Trancezustand wieder zurückzubringen.

„Hallo Daddy, willst du mit uns spielen?“

VanHouten drehte sich um. Hinter ihm stand sein Sohn Marvin. VanHouten kniete sich hin und schloss ihn fest in seine Arme.

„Marv, mein Junge. Geht es dir gut? Wo ist deine Schwester?“

„Sie ist hier.“, sagte seine Frau.

VanHouten hielt seinen Sohn umklammert, als er sich umdrehte. Seine Frau stand im Wohnzimmer, ihr Hand ruhte auf der Schulter seiner Tochter.

„Dorothea!“, stöhnte VanHouten und wusste nicht, wie er reagieren sollte. Der Anblick seiner Familie ließ all seine Kraft aus seinen Gliedern entweichen.

Ihre Gesichter waren blass und eingefallen, ihre Kleidung teilweise zerrissen und an ihr klebte eingetrocknetes Blut. Ihre Augen waren leer, aber sie verzogen ihre Mundwinkel immer noch mit aller verbliebenen Kraft zu einem diabolischen Lächeln, was VanHouten am meisten Angst machte.

„Doro, kommt mit mir. Wir werden jemanden finden, der euch wieder gesund macht, okay? Kommt mit. Wir fahren in die nächste Stadt und suchen einen Arzt… irgendwen, der weiß, wie man dieses abscheuliche Spiel wieder aus eurem Kopf bekommt.“, sagte VanHouten und Tränen rannen seine Wangen hinunter.

Dann spürte er, wie sein Sohn seine Arme um seinen Hals legte und so fest zudrückte, dass er ihm die Luft abschnitt.

„Nein, ich denke, wir werden dich jetzt endlich heilen, Liebling, und dann werden wir zusammen als Familie weiterspielen. Ist das nicht großartig?!“, sagte Mrs. VanHouten und nahm ihr Smartphone hinter dem Rücken hervor.

VanHouten konnte sich nicht aus dem Griff seines Sohnes befreien. Er konnte kaum noch atmen, geschweige denn sprechen. Verzweifelt schüttelte er den Kopf und flehte, aber es brachte nichts. Seine Tochter hielt ihn mit fest und seine Frau startete die App.

 

VanHouten blickte auf die bunten, flackernden Farben des kleinen Bildschirms, die wie ein impressionistisches Gemälde vor ihm verschwammen und auf die Formen, die zu dem Rhythmus und Klängen des Themas waberten und tanzten. VanHouten wurde ruhiger und wehrte sich immer weniger.

„Gleich wirst du einer von uns sein. Du wirst die Welt sehen, wie wir sie sehen. Du wirst frei sein von deinem Willen. Es ist alles nur noch ein Spiel. Keine Konsequenzen mehr. Keine Zwänge. Keine Entscheidungen mehr. Kein Verstecken oder Verstellen. Kein Bewusstsein mehr. Keine Angst. Lass es zu. Lass es passieren. Dann sind wir wieder vereint.“

Mrs. VanHouten streichelte ihm sanft über die Wange. VanHouten spürte, wie sein Geist mehr und mehr abdriftete und diese Realität hinter sich ließ. Er wusste, dass es vorbei war. Er sagte der Welt Lebewohl.

Aber der Nebel, der sein Bewusstsein umschloss, lichtete sich binnen eines Augenblicks. Mrs. VanHouten fiel zuckend zu Boden. Seine Kinder ließen ihn los und stürzten sich auf die Frau, die sich mit einem Taser bewaffnet unbemerkt in das Haus geschlichen hatte.

„VanHouten! Wachen Sie auf!“, schrie Monica, als sie die Kinder abwehrte.

Wie ein fernes Echo erklang ihr Schrei in VanHoutens Ohren. Die Welt um ihn herum drehte sich und er wusste weder wo, noch wer er war.

Marvin fiel zuckend zu Boden. Dann folgte ihm seine Schwester. Monica hatte einen weiteren, geladenen Taser hervorgeholt. Sie griff hinter ihren Rücken und nahm Handschellen raus, mit denen sie die Familie fesselte.

„VanHouten, helfen sie mir! Wachen sie auf, Mann! Ihre Familie wird nicht ewig so weiterschlafen!“

Er schüttelte die Benommenheit ab und wusste wieder, was geschehen war. Zwar drehte sich alles immer noch ein wenig, aber er stand auf und torkelte zu Monica hinüber.

„Was ist geschehen?“, fragte er.

„Kommen sie wieder zu sich und helfen Sie mir, ihre Familie vor sich selbst und anderen zu schützen. Gibt es einen Raum, wo wir sie anbinden können?“

VanHouten kniff die Augen zusammen. Langsam wurde alles wieder klar und er überblickte die Situation.

„Ja… Im Keller. Dort ist unser Hobbyraum. Wir können sie dort anbinden und einsperren, bis wir Hilfe gefunden haben.“

„Dann los! Sie werden sich gleich wieder bewegen können und dann werden sie sicherlich nicht erfreut sein. Beeilen wir uns!“

„Monica, ich…“

„Ja, ja, schon gut. Los jetzt!“

 

Sie hatten sie in den Keller gebracht und in einer Sofaecke mithilfe von Handschellen und Leinen gefesselt. Gerade rechtzeitig genug, denn sie wachten schnell wieder auf und schrien wie wilde Tiere. Vergeblich versuchten sie sich zu befreien und rissen an ihren Fesseln. VanHouten sprach mit ihnen, aber er drang nicht zu ihnen durch. Er hoffte, dass sie Hilfe finden würden, bevor sie sich die Hände abgerissen.

„Ich finde einen Weg, euch wieder aufzuwecken. Das verspreche ich euch!“, sagte VanHouten, wischte sich eine Träne aus dem Gesicht und folgte Monica nach oben in die Küche. Sie schlossen die Kellertür, aber das Geschrei der Drei war immer noch zu hören.

„Was machen wir jetzt bloß? Hier ist auch kein Netz. Das Spiel hat alles lahmgelegt. Die Telefonleitung ist tot. Ich habe bisher nicht einen gesehen, der nicht infiziert ist. Das kann doch nicht möglich sein!“, sagte VanHouten und blickte verunsichert durch die heruntergelassene Jalousie am Küchenfenster. Auch von draußen drangen immer wieder Schreie zu ihnen hinein und quer über den Garten lief gerade ein blutender Mann, der von einer nackten Frau mit einem Messer gejagt wurde und dabei hämisch kicherte.

„Ich weiß nicht, wie lange wir hier noch sicher sind.“, sagte er verzweifelt.

Monica stellte sich neben ihn und legte ihre Hand auf seine Schulter.

„Wo haben Sie eigentlich die Handschellen, den Taser und die anderen Sachen dort her? Und woher wussten sie, wo ich wohne?“, fragte er und richtete seinen Blick auf den schwarzen Rucksack, den Monica mitgebracht hatte.

„Nachdem Sie mich einfach dort zurückgelassen hatten, musste ich mir etwas einfallen lassen, um wieder wegzukommen, ohne dabei von Appinfizierten angefallen zu werden. Ich bin ein paar Blocks gelaufen. Ständig habe ich mich zwischen parkenden Autos und Mülltonnen versteckt, um nicht entdeckt zu werden. Ich kam an einem Polizeiauto vorbei. Die Türen standen offen, es war niemand zu sehen. Über den Computer im Wagen konnte ich Ihre Adresse ausfindig machen. Und im Kofferraum habe ich noch allerhand Zeugs gefunden, dass wir eventuell noch gut gebrauchen könnten.“

Sie ging zum Rucksack und nahm eine SIG Sauer heraus, die sie VanHouten zuwarf. Er fing sie ungeschickt und Monica erkannte sofort, dass er noch nie eine Waffe in der Hand gehalten hatte.

„Ein volles Magazin ist drin. Eine Kugel ist im Lauf. Ich zeige Ihnen wie man sie entsichert.“

„Woher kennen Sie sich damit aus? Spontan hätte ich Sie nicht für eine dieser Waffennerds gehalten.“

„Nein, mein Ex war bei der Polizei und er hatte mich mal mit zum Schießstand genommen und mir die Grundlagen erklärt. Ein Waffennerd bin ich nicht.“

VanHouten schmunzelte.

„Jungs und ihre Pistolen. Sie haben als Psychiaterin sicherlich ihre ganz eigene Theorie, die wahrscheinlich mit gestörten Vaterverhältnissen, Impotenz und Penisneid zu tun hat.“

Monica zeigte ihm, wie man die Waffe entsichert und gab sie ihm zurück. Sie nahm eine weitere SIG aus dem Rucksack und steckte sie in ihren Gürtel.

„Vor allem ein gestörtes Verhältnis zum Penis. Als Autoverkäufer kennen Sie doch selbst ihre Pappenheimer, auf der ständigen Suche nach einer PS starken Penisprothese. Die Welt sähe ohne Testosteron sicherlich friedlicher aus.“

„Lassen Sie uns jetzt vielleicht aufhören von Penissen und ihren Einfluss auf den Weltfrieden zu reden und überlegen, wie wir aus dieser Sache wieder rauskommen.“, schlug VanHouten vor und schob sich die Waffe ebenfalls in den Gürtel.

„Ich habe den App-Store geöffnet und fand Informationen zum Standort des Entwicklers. Wahrscheinlich ist es eine Fake-Adresse sein, andererseits… es ist nicht weit von hier und wir haben sowieso keine andere Spur.“

Das Schreien der Familie war wieder angeschwollen und VanHouten konnte die Qual nicht mehr ertragen.  

„Dann los, lassen Sie uns keine Zeit verlieren.“, sagte er und ging voran. Monica könnte die seelischen Schmerzen, die er in diesem Moment durchmachte förmlich spüren.

 

Cresta Ave,

15:22 Uhr.

Die Adresse des App-Entwickler lag in Cresta Ave. Das Bonzenviertel unter den Bonzenvierteln in Santa Barbara. Dort befanden sich die Einfamilienparadiese mit Pools, Tennisplatzen, privaten Parkanlagen und einem atemberaubenden Strandblick. Aber das Paradies hatte sich über Nacht in einen Höllentrip verwandelt.  

Die Appidemie breitete sich rasend schnell aus. Bereits auf dem Hinweg war das einst himmlische Antlitz von Santa Barbara gänzlich verschwunden und es herrschte Ausnahmezustand. Häuser, ganze Straßenzüge lagen in Brand. Die Menschen jagten sich gegenseitig, verprügelten sich oder trieben es miteinander. Es war ein regelrechter Krieg von Wahnsinnigen und er hinterließ eine blutige Spur von Leichen.

Das Tor zum Anwesen des vermeintlichen Entwicklers war natürlich verschlossen. Das bedeutete, dass sie von dort aus zu Fuß weiter und über den Zaun klettern mussten.

„Ich dachte wir würden uns auf ein abgeriegeltes und extrem schwer bewachtes Firmengelände schleichen müssen. Sie wissen schon… wo Soldaten elektrifizierte Zäune bewachen und überall Kameras installiert sind.

Das hier ist eine private Villa. Und wie es aussieht, ist sie nicht mal besonders gut bewacht. Aber vielleicht ist das ja nur Tarnung und wir stoßen auf eine geheime Basis einer Untergrundorganisation.“, scherzte VanHouten.

Monica konnte nicht darüber lachen und biss auf ihre Unterlippe. Ihr Herz raste. Ihr Blick suchte ungeduldig das Grundstück ab.

Auf der anderen Seite des Zauns rannte ihnen ein unsympathischer Labrador entgegen und fletschte die Zähne. Wohl oder übel musste er Bekanntschaft mit dem Taser machen. Dann stiegen sie einen Baum hoch und kletterten über den Zaun auf das Grundstück. Der Hund war lahmgelegt und kam ihnen vorerst nicht in die Quere. Sie zogen und entsicherten ihre SIGs und schlichen sich über den weiten Rasen zum Hintereingang.  

Vorsichtig riskierte Monica einen Blick durch das Küchenfenster. Es war niemand zu sehen. Nur ein Haufen leerer Pizzakartons, Getränkedosen und Verpackungen allen möglichen Junkfoods. Es sah aus, als hätte dort ein Kindergeburtstag stattgefunden. Die Tür zur Veranda stand ein Spalt breit geöffnet. VanHouten öffnete sie und sie gingen leise hinein.

Klassische Musik tönte aus der oberen Etage. Sie schlichen durch das Erdgeschoss und sahen sich um. Niemand war zu sehen. Sie gingen die Treppe hinauf und folgten den Klängen von Brahms.

Die Villa war riesig, aber überschaubar. Die breite Wendeltreppe führte sie in einen langen Korridor, von dem aus Zimmer auf beiden Seiten abgingen. Monica und VanHouten entschlossen sich, zusammen zu bleiben und überprüften die übrigen Zimmer, bevor sie der Musik weiter folgten. Es waren prunkvoll eingerichtete Schlaf- und Badezimmer, ein Sportzimmer und zwei Arbeitszimmer.

„Meine Fresse, was ist das für ein Gestank?“, fragte VanHouten und hielt sich die Hand vor Mund und Nase.

Monica ahnte, woher diese saure, würzig-süßliche Melange aus Erbrochenen, Kot und Eiter herkam. Sie hielt sich die Hand vor den Mund und schielte in den Raum hinein. Dann drehte sie sich wieder schnell um und unterdrückte den Brechreiz. VanHouten tat es ihr gleich. Dann gingen Sie hinein.

Sie blickten in ein Schlafzimmer. Der Geruch der Verwesung kam von den beiden Leichen, die auf dem Bett lagen. Ein Mann und eine Frau. Beide trugen ihre Schlafsachen. Vor dem Bett lagen blutige Küchenmesser und auf dem weißen Teppich zeichneten sich mehrere, unterschiedliche Fußabdrücke ab. Sie mussten überrascht worden sein. Es war ein Massaker. Sie sahen sich im Schlafzimmer um, fanden aber nichts Ungewöhnliches. Monicas Blick blieb auf einem Familienportrait auf einer Kommode hängen. Das war vermutlich das Ehepaar. Vor ihnen stand ein Junge, zwölf, vielleicht dreizehn Jahre alt. Sie lächelten gezwungen und bei dem Jungen wirkte das Lächeln sogar dermaßen gestellt, dass es an einen jungen Jack Nicholson erinnerte. Sie verließen das Zimmer und schlossen die Tür. Dann setzte sie ihren Weg fort und bewegten sich auf das Zimmer zu, aus dem die klassische Musik ertönte.

Brahms Symphonie Nummer eins verklang nach dem Crescendo und sie blieben vor der Tür stehen, aus der sie verstummte. Die Tür stand einen Spalt breit offen. VanHouten und Monica blickten sich an, hielten ihre SIGs bereit und VanHouten öffnete langsam die Tür. Es folgten Beethoven Mondscheinsonate.

Sie betraten das Zimmer eines Teenagers. Es war wesentlich größer, als das eines normalen Teenagers, aber es verfügte über die typischen Eigenschaften und Accessoirs: Poster von Punkbands, Computerrollenspielen und halbnackten Frauen in einer Art Ritterrüstung, Regale mit Comics, Spielfiguren und Konsolenspielen. Der Boden war bedeckt mit weiteren leeren Verpackungen zahlreichen Junkfoods und Schmutzwäsche wohin man nur sah.

Als ihr Blick etwas weiter in den Raum hineinwanderte, sah es ganz und gar nicht mehr nach Teenager aus. Auf der gegenüberliegenden Seite ragte ein Computerterminal empor, vor dem die NSA vor Neid erblasst wäre. Die dahinterliegende weite Fensterfront war mit einem schweren Vorhang bedeckt, so, dass das Sonnenlicht nur spärlich hineinkam. Das meiste Licht ging von den acht vierzig Zoll Bildschirmen aus, auf denen zahlreiche Programme liefen. Vor dem Terminal stand ein großer, überdimensionaler Gaming-Sessel, links und rechts daneben waren Apparaturen angebracht, die eigentlich in ein Krankenhaus gehörten und komatöse Patienten überwachten, beatmeten und mit Infusionen versorgten.

Sie konnten nicht erkennen, ob jemand drinsaß. Monica und VanHouten gaben sich ein Zeichen und näherten sich ihm vorsichtig. Ihr Herzschlag setzte für einen Moment aus, als sie sahen, was sich in dem Sessel befand.

Das, was vor geraumer Zeit noch ein junger Mann gewesen zu sein schien, vielleicht im Alter zwischen siebzehn und neunzehn, ähnelte nun einem vor sich hin rottendem Kadaver. Er war an Drähten und Schläuchen angeschlossen, trug Kopfhörer und eine VR Brille. Seine Füße steckten in einer Klammervorrichtung und seine Arme ruhten auf den Lehnen, die Hände allerdings bedienten auf jeder Seite immer noch ein Tastenfeld. Seine Finger zuckten über blau schimmernde LEDs.

Monica steckte ihre Waffe weg, ging zurück zur Tür, schaltete das Licht ein und stellte die Musik ab. Dann ging sie zurück zu dem Jungen und VanHouten, der gebannt auf das Wesen im Sessel starrte. Es gab unerkennbare, summende und murmelnde Laute von sich und lebte allem Anschein nach noch… irgendwie.

„Mein Gott, was ist das?“, fragte VanHouten und senkte seine Waffe.

Monica untersuchte die Apparaturen und sah sich das Terminal genauer an.

„Ich weiß es nicht. Diese ganzen Programme. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Der ganze Kram läuft jedenfalls über kein Betriebssystem, dass ich kenne.“

„Wie viele kennst du denn?“

„Mein Exfreund war IT-Ingenieur am MIT.“

„Ich dachte er war Polizist?“

„Ein anderer.“

„Auch ein Weg dazuzulernen.“

„Können wir uns bitte auf unsere Aufgabe konzentrieren?“

„Entschuldigung.“

Eine Stimme ertönte plötzlich aus den Lautsprecherboxen des Terminals.

„Hi. Ich bin Max.“

Monica und VanHouten erstarrten. Ein Gesicht erschien auf allen Bildschirmen zugleich. Es war der Junge, der hinter ihnen im Sessel lag. Oder vielmehr, ein Wunschprofil des Jungen, denn mit der bleichen, eingefallenen und leichenhaften Erscheinung, die an Schläuchen angeschlossen war, aus denen Urin und Kot abgeführt wurde, hatte es gerade wenig gemein.

„Es hat länger gedauert als ich dachte, bis mal jemand vorbeikommt.“, sagte die digitale Version des Jungen. Seine Stimme transponierte Gleichgültigkeit und gleichzeitig eine gewisse Arroganz und Überheblichkeit… ein Teenager.

„Wer bist du?“, fragte Monica. „Was ist all das hier? Haben wir dir dieses Chaos zu verdanken?“

Jetzt lag ein Hauch von Reue auf dem Gesicht des digitalen Portraits.

„Ja.“

„Warum?!“, knirschte VanHouten zwischen den Zähnen hervor. Monica legte ihre Hand auf seine Schulter. Sie fürchtete, er könnte aus Zorn etwas Dummes tun.

„Ein I.Q. von hundertsiebundachtzig, bester High-School Abschluss mit zwölf, Master of Science im Bereich der angewandten Informatik mit vierzehn, Promoviert mit sechzehn und nebenbei ein Imperium vernetzter Softwaretechnik im Bereich der Bioinformatik erschaffen… und das alles von zuhause aus. Großartig nicht wahr? Sie haben wahrscheinlich noch nie von mir gehört. Natürlich nicht. Wie heißt es so schön? Gott lebt von seiner Anonymität!

Aber bei all dem, was die Menschen geleistet haben, konnte ich sie noch nie ausstehen. Nie hat mich etwas auch nur im Entferntesten zu ihnen hingezogen. Weder wollte ich Freunde haben, noch habe ich je von Sex geträumt. Es war mir alles zu wider. Meine Eltern hatten mich zum Psychiater geschickt. Der konnte mir aber nicht wirklich helfen. Irgendwann gaben es meine Eltern auf. Ich konnte für mich selbst sorgen und sie hatten ihr eigenes Leben. Wir kamen uns nicht in die Quere. Für ihre Kaltherzigkeit habe ich mich bedankt. Ich nehme an, Sie haben mein Dankeschön beim Vorbeilaufen an ihrem Zimmer gesehen?“

Monica bemerkte jetzt die vielen kleinen Kameras, mit denen der Raum ausgestattet war. Sie waren sehr klein und fielen nicht sofort ins Auge. Wahrscheinlich war das gesamte Grundstück und Haus mit ihnen ausgestattet.

„Es tut mir leid, dass du ein Scheißleben hattest, aber wenn du mir nicht sofort sagst, was du mit den Menschen gemacht hast und wie man es wieder rückgängig machen kann – das schwöre ich dir – dann jage ich dir eine Kugel in deine picklige Visage!“, schrie VanHouten und diesmal ließ er sich nicht von Monica beschwichtigen.

Der Junge lachte.

„Nachdem ich sämtliche soziale Medien unter meine Kontrolle und die Geheimdienste gehackt hatte, verband ich die mir zur Verfügung stehenden Daten mit einer von mir entwickelten Software zur Gedankenvernetzung und -kontrolle. Die Santa Barbara App war geboren. Ein Prototyp, bevor ich die Technologie auf die gesamte Menschheit loslasse und sie nur noch ein Spiel für mich ist.“

„Warum hast du das getan?“, fragte Monica.

„Mir war langweilig. Ich wollte wissen ob ich es kann. Und wie Sie sehen… Ich kanns. Jetzt sind die Menschen meine persönlichen Spielfiguren und sie machen, was ich will.“

VanHouten drehte sich zu dem vor sich hinvegetierenden Köper im Sessel um.

„Ach ja,“, sagte Max, „da bin ich ja. Ich sehe ganz schön fertig aus, nicht wahr? Ich werd eh nicht mehr zurück gehen.“

„Wie können wir die Menschen wieder zurückholen?“, fragte Monica.

Max seufzte.

„Es gibt kein zurück. Sie können mich foltern und mir die Fingernägel ausreißen. Ich spüre es nicht mehr. Mein Bewusstsein ist von meinem Körper getrennt.“ Er grinste breit. „Ich habe die Unsterblichkeit entdeckt und sie ist wundervoll!“

Er lachte laut. Monica und VanHouten wussten nicht weiter. Verzweifelt tauschten sie Blicke und Monica spürte, wie es VanHouten am Abzugsfinger juckte.

„Es wird gleich sowieso alles vorbei sein.“, sagte Max. „Sie werden kommen und mich abschalten. Ihr werdet euer spießiges kleines Leben wiederhaben.“

Jetzt sah es so aus, als ob Max ihnen direkt in die Augen sah und zum ersten Mal spürte Monica, dass sich hinter diesen Augen eine Tiefe befinden musste, die weit über die Maskerade des Jungen hinausreichte. Eine Tiefe, die das bisherige Wissen des Menschen weit hinter sich gelassen hatte.

„Wenn sie kommen, solltet ihr euch lieber fragen, was sie mit dem, was ich erschaffen habe tun werden. Was werden sie mit dem Feuer tun, nachdem sie Prometheus umgebracht haben?“

Das Klacken von Waffen, sie entsicherte wurden. Hastige Schritte von Stiefeln. Fensterscheiben zersprangen und binnen Sekunden waren sie von Soldaten in schwarzer Uniform umgeben.

VanHouten und Monica drehte sich um und zogen ihre Pistolen. Erkannten aber schnell, dass sie sie besser sofort fallen lassen sollten. Hinter ihnen standen Soldaten, bis an die Zähne bewaffnet. Ein Soldat führte die Truppe an.

„Besetzt das Terminal. Schafft die Zivilisten hier raus!“, befahl er und zwei Soldaten ergriffen sie und zerrten sie hinaus, ohne dass sie sich wehren oder Widerworte geben konnten. An ihnen vorbei liefen weitere Soldaten mit schwarzen Koffern. Im Augenwinkel konnte Monica erkennen, wie sie sich direkt am Terminal zu schaffen machten. Max zwinkerte ihr mit einem verschwörerischen Lächeln zu.

 

Zwei Wochen später,

San Fernando Drive 17:23 Uhr.

 

„Kann ich bei dir nachfüllen, Monica?“, fragte Mrs. VanHouten.

Monica nickte und reichte ihr das Weinglas.

„Es ist so unwirklich.“, sagte Mrs. VanHouten und schenkte ihr ein. „Es kommt einem vor, wie ein böser Traum. Über elftausend Menschen sind tot. Wenn du und Robert uns nicht gefunden hättet, wären wir jetzt auch tot.“

Mrs. VanHoutens Hand zitterte. Sie stellte die Flasche auf den Gartentisch und setzte sich zu Monica. Dann betrachtet sie ihren Mann, wie er mit ihren Kindern vor dem Grill stand. Eine Träne kullerte ihre Wange hinunter.

„So viele Menschen… wegen eines Wahnsinnigen. Ich danke Gott, dass die Regierung dieses Schwein finden und dieses perverse Killerprogramm rückgängig machen konnte. Hoffentlich haben sie daraus gelernt und halten fortan diese Geeks besser unter Kontrolle.“

Ihre Lippen zitterten vor Wut. Sie nahm einen tiefen Schluck aus ihrem Weinglas und winkte dann ihrer Tochter zu.

„Komm her, Mommy!“, rief ihre Tochter. „Monica! Kannst du ein Foto von uns machen?“

„Aber klar doch!“, sagte Monica, stand auf und kramte in ihrer Handtasche.

Mrs. VanHouten wischte sich die Träne von der Wange und ging zu ihrer Familie hinüber. Monica nahm ihr Smartphone in die Hand. Es blieb ein Gefühl der Angst zurück. Jedes Mal, wenn sie es in die Hand nahm. Sie hoffte, dass es irgendwann nachlassen würde.

Die Familie positioniert sich vor dem Grill und nahm sich in den Arm.

„Und jetzt sagen alle: Cheese!“, rief Monica ihnen zu und sie knipste gleich mehrere Bilder hintereinander weg.

Mrs. VanHouten hatte recht, dachte sie. Wie können wir all die Technik, die sich scheinbar von selbst weiterentwickelt und dabei ungeahnte Dimensionen von Macht und Kontrolle einnimmt, überhaupt noch kontrollieren? Hatte Marie Curie daran gedacht, dass einmal Atombomben auf Städte geworfen werden, als sie ihre Forschungen an radioaktiven Substanzen betrieben? Forschung, deren tödliche Konsequenzen sie nicht absehen konnte und sie letztlich ins Grab brachte. Technik, Forschung und Entwicklung zum Wohle der Menschheit? Wer würde die Büchse der Pandora öffnen?

 

ENDE

 

 

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