ZURÜCK ZUM GLAUBEN

1853, Jefferson County, West Virginia.  

In einer kleinen Hütte am Stadtrand von Charles Town lag ein Mann im Sterben. Die Hütte gehörte einem gewissen Andrew Livingston, der sie an den armen Teufel vermietet hatte. Aber Livingston kümmerte sich um den Mann und tat alles in seiner Macht Stehende, um ihm Linderung zu verschaffen.

Als der Mann jedoch nach einem Priester fragte, verweigerte Livingston ihm diesen letzten Wunsch. Der Mann starb und von diesem Zeitpunkt an, durch die vielen Jahre, die folgten, durchlebte Livingston immer wieder seltsame, grauenhafte Ereignisse, die ihm beinahe den letzten Funken Verstand raubten.

Es kam der Tag, an dem er den Terror und das Grauen nicht mehr ertragen konnte. Livingston war nur noch ein Schatten seiner selbst, ein abgewrackter Haufen Elend. In seiner Verzweiflung suchte er schließlich den Priester auf. Er hoffte von dem respektierten, angesehenen und allseits beliebten Mann Gottes himmlischen Beistand, auf dass die Dämonen ihn endlich in Ruhe ließen.

„Was ist denn geschehen, mein Sohn? Was verfolgt dich?“, fragte der Priester. Und Livingston erzählte, was nach dem Tod des Mannes in seiner Hütte passiert war: Mitten in der Nacht, kurz nachdem der Mann das Zeitliche gesegnet hatte, brachen seine Pferde aus Livingstons Stall aus und trabten wie vom Teufel besessen die ganze Nacht um sein Haus herum, bis sie am nächsten Tag eins nach dem anderen tot umfielen. Er konnte sie nicht einmal mehr an den Metzger verkaufen, weil er sie für tollwütig hielt. Sie waren die Lebensgrundlage für seine Familie. Aber damit nicht genug.

Dann, eines Tages in seiner Küche; er saß mit seiner Frau und seinen Söhnen am Tisch und sie aßen zu Mittag, da vibrierte das Geschirr in den Schränken und Regalen; immer heftiger und schneller. Sie konnten das unheimliche Klappern nicht mehr ertragen und wollten die Küche verlassen. Aber die Türen waren verschlossen. Auf einmal katapultierte sich sämtliches Geschirr aus den Schränken und Schubladen heraus und zersplitterte auf dem Boden. Die Scherben flogen wie Hagelkörner durch die Luft und zerschnitten die Gesichter seiner Söhne und seiner Frau. Nur sein eigenes blieb unversehrt.

In einer weiteren Nacht stand seine Scheune in Flammen und er konnte nur noch machtlose die Schreie des verenden Viehs hören wie sie ihn anklagten und dann elendig zu Grunde gingen.

Er war am Ende. Seine Familie hatte ihn verlassen, er hatte sein teuersten Gut verloren. Aber die verfluchten Ereignisse wollten längst noch kein Ende nehmen. An einem Morgen ging er hinaus in den Hühnerstall, um Eier für das Frühstück zu holen, da explodierten die Köpfe der Hennen. Einer nach dem anderen. Wie Luftballons. Peng, peng, peng! Besudelt von ihrem Blut taumelte er in sein Haus zurück und am nächsten Tag hatte er den Priester aufgesucht.

Der Priester fragte ihn, warum er ihn nicht zu dem Mann gelassen hatte, um ihn das letzte Geleit zu geben. Livingston fiel weinend auf die Knie und wimmerte, dass er nicht gläubig sei und ihm es deswegen verweigert hatte. Der Priester packte ihn fest an den Schultern und verpasste ihm einen Schlag mit der flachen Hand in sein Gesicht, damit er endlich wieder zur Besinnung kam. Dann forderte er ihn auf ihn zum Grab des Mannes zu bringen. Livingston hatte ihn außerhalb der Stadt in ungeweihter Erde begraben lassen.

Der Priester und Livingston nahmen sich einen Karren, Hacken und Schaufeln und hoben das Grab des Mannes aus. Sie brachten den Sarg zum Friedhof, wo der Leichnam in geweihter Erde bestattet wurde. Damit hatte der Spuk ein Ende und Livingstons Familie kehrte zurück zu ihm. Seit jenem Tag sah der Priester die Livingstons jeden Sonntag und an den Feiertagen in der Kirche. Sie saßen in der ersten Reihe und sangen am Lautesten.

Der Priester war stolz darauf, seine Schafe wieder zurück zur Herde gebracht zu haben. Und er dankte Gott dafür, dass niemand seine kleinen Erfindungen entdeckt hatte: Ferngeschaltete Elektroden, die Hühnerköpfe explodieren lassen konnten, einen Generator, der wohl platziert das Geschirr über einer Küche aus den Schränken purzeln lassen könnte und eine Windmaschine, die Splitter von Rasierklingen gezielt in Gesichter pustete. Dazu kamen noch Drogen, auf die Pferde leider nicht so gut klarkamen. Eine Scheune anzuzünden war hingegen ein Kinderspiel, aber ein viel zu einfaches Mittel, um effektiv jemanden wieder zum rechten Glauben zurück zu bringen.

Eine Familie war in der folgenden Zeit in die Stadt gezogen – Mormonen. Mal sehen was sich machen lässt.

ENDE